Eine Handvoll Worte - Jojo Moyes

Dass Jojo Moyes eine Erfolgsautorin ist, hat  man in der Lesercommunity mittlerweile zweifelsfrei festgestellt. Ihr klarer und flüssiger Schreibstil ermöglicht es, wunderbar in ihre einzutauchen und auch mit diesem Roman beweist sie erneut, dass sie die Fähigkeit besitzt, den Leser emotional tief in die Handlung und die Charaktere hineinzuziehen.

 

Der Roman an sich hat zwei Handlungsstränge, 2003 und 1960, wie man es vielleicht von den Büchern von Lucinda Riley kennt. Es beginnt mit einer jungen Journalistin, die dringend einen guten Artikel benötigt, um ihre Chefin zufrieden zu stellen. Währenddessen ist sie jedoch mit dem Kopf gar nicht bei der Sache sondern kann sich nur auf ihr kompliziertes Liebesleben konzentrieren. Ellie ist bis über beide Ohren in einen Autor verliebt, den sie einmal interviewt hat - nur ist dieser verheiratet. Unglücklich über ihre Affäre und die damit verbundenen Geheimnisse stolpert sie im Archiv der Zeitung über einen alten Liebesbrief.

 

Meine einzige, wahre Liebe,

was ich gesagt habe, war auch so gemeint. Ich bin zu dem Schluss gekommen, das der einzige Weg nach vorn darin besteht, dass einer von uns eine kühne Entscheidung trifft...

Ich werde die Stelle annehmen. Am Freitagabend werde ich um 7:15 Uhr am Bahnhof Paddington sein, Gleis 4, und nichts auf der Welt würde mich glücklicher machen, als wenn du den Mut fändest, mit mir zu gehen.

 

Der Brief berührt Ellie tief und sie beschließt, unbedingt herausfinden zu müssen, was aus den beiden unglücklichen Liebenden geworden ist. Sie stößt auf weitere Briefe und ist fasziniert und beeindruckt von der Wortgewandtheit, mit der ein unglücklich verliebter Mann an seine verheiratete Liebste schreibt - das Schicksal der Beiden scheint ihrem eigenen so ähnlich, dass es nicht weiter verwunderlich ist, dass Ellie immer wieder darüber nachdenken muss. Mit ihrem lockeren Schreibstil schafft es Jojo Moyes leicht, auch den Leser überaus neugierig zu machen. Haben die beiden zueinander gefunden? Was ist aus ihnen geworden? Konnten sie gemeinsam ein glückliches Leben führen?

 

Hier gibt es einen Schnitt ins Jahr 1960 zur Empfängerin der Liebesbriefe, der wunderschönen Jennifer. Sie erwacht nach einem schweren Autounfall desorientiert im Krankenhaus und muss sich einer ganz besonders schwierigen Realität stellen: Sie hat ihr Gedächtnis verloren. Einige ihrer Erinnerungen kommen mit der Zeit zurück, doch gerade an ihren Mann kann sie sich auch nach Wochen noch nicht erinnern.

Während sie versucht, sich in ihrem alten Leben wieder einzufinden und vor allem, zu ihrem früheren Selbst zurückzufinden, wird ihr langsam klar, dass ihr etwas fehlt. Ihr mit ausgedehnten Einkaufstouren, Reisen zum Sommerhaus und Cocktailpartys gefülltes Leben erscheint ihr leer und auch mit ihrem Ehemann kann sie keine wirkliche Vertrautheit herstellen.

Da stößt auch sie auf die Liebesbriefe.

In einer Hutschachtel im hintersten Ende ihres Kleiderschrankes und an verschiedenen anderen geheimen Verstecken findet sie seine Worte - leidenschaftlich, verzweifelt, liebevoll und dabei so ehrlich -, die in ihr ein Echo der damaligen Gefühle wecken. Doch ihre Amnesie ist zu stark und sie kann sich nicht einmal mehr daran erinnern, wer ihr diese Briefe geschickt hat. Während ihre Ehe und ihr Leben sie immer weniger ausfüllen, macht sich auch Jennifer daran, mehr herauszufinden.

 

Dass es in Liebesgeschichten niemals einfach ist, ist eine bekannte Tatsache - denn wer müsste schon Bücher schreiben, wenn darin keine Komplikationen auftreten würden? Die Autorin hat es aber mit diesen beiden Liebenden wahrlich nicht gut gemeint, es scheint fast so, als hätte sich das Schicksal gegen sie verschworen.

Mit der Angst vor dem Unbekannten, der Panik vor dem Entdecken, viel zu vielen verpassten Gelegenheiten und all den verschiedenen Lügen scheint es fast so, als wäre die Liebe zwischen Jennifer und dem geheimnisvollen B von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Frau Moyes versteht es, den Leser mitzureißen, der Roman lässt einfach nicht mehr los, während man Seite um Seite auf ein Happy End hofft - trotz aller Schwierigkeiten. 

Die Geschichte ist packend, emotional und voller solch wunderschöner Briefe, die unweigerlich berühren. Von Anfang bis Ende ist das Buch perfekt ausgearbeitet, sei es durch die Zeitwechsel - auch innerhalb der Vergangenheit, zwischen Jennifer 1960 und ihrem B in den Jahren zuvor, als sie ihre Erinnerungen noch besaß und die beiden sich ein gemeinsames Leben erträumten - als auch durch die Gestaltung der Seiten zwischen den Kapiteln. Dort sind verschiedene reale Briefe und SMS rund um Liebe und das Ende der solchen abgebildet, die noch einmal ein Gefühl dafür vermitteln, wie kompliziert Beziehungen doch sein können.

Über allem liegt der Zauber, der von der wahren Liebe ausgeht, jedoch auch die ernüchternde Realität aus Schmerz, Verlust und Unglück, der im Leben mit der Liebe einhergeht.

Die Handlungen und die verschiedenen Figuren sind - wie man es von Jojo Moyes gewohnt ist - vielschichtig und glaubwürdig ausgearbeitet worden und verdienen noch einmal besondere Pluspunkte. Nicht nur Ellie und das tragische Liebespaar, sondern auch der Ehemann von Jennifer, ihre Freunde und sogar seine persönliche Assistentin sind wie aus dem echten Leben gegriffen. 

Ich habe viel von diesem Buch erwartet und bin nicht enttäuscht worden, ganz im Gegenteil. Für jeden, der sich in einer von vielen negativen Erlebnissen geprägten Liebesgeschichte verlieren möchte, ist dieser Roman ein absoluter Lesetipp! 

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