Zürich fliegt - Rahel Hefti

Dieser Roman ist eine der wenigen Kriminalgeschichten, die sich in meinem Bücherregal findet. Und auch, wenn dies nicht mein bevorzugtes Genre ist, hat es mich sehr gut unterhalten.

An dieser Stelle möchte ich mich für die Einladung in die fröhliche Leserunde auf Instagram bedanken, die mich begleitet hat :)

Den Prolog liest man aus der Sicht eines Mannes, der gerade entführt wird. Seine Angst, die wirren Gedanken und die Überlegungen, warum ihm das passiert, werden von der Autorin sehr anschaulich dargestellt, man hat beinahe das Gefühl, selbst einem Entführer ans Seeufer zu folgen. Auch die Art und Weise, wie der Entführer zum Mörder wird, ist fesselnd - und überaus kreativ! - beschrieben.

Wir verlassen sodann den Prolog und lernen die Hauptfigur des Romans kennen, die junge Studentin Alyssa. Sie hat einen langweiligen Job in einer Anwaltskanzlei, studiert und hat ein recht normal erscheinendes Leben - nicht normal, sondern vielmehr außergewöhnlich ist jedoch zweierlei: Ihre überbrodelnde Phantasie und ihre ereignisreiche Vergangenheit. Während Alyssa in den Nachrichten mehr am Rand verfolgt, wie es zu besagtem Selbstmord und schließlich sogar dem Verschwinden ihres Chefs kommt, liegt das Hauptaugenmerk des Romans mehr auf der erneuten Begegnung mit einem Mann aus ihrer Vergangenheit. Stück für Stück, Kapitel für Kapitel wird erleuchtet, welchen schrecklichen Vorfall es in ihrer Schulzeit gab und warum das Alyssa und ihre Gefühle für diesen Mann derartig geprägt hat. Plötzlich erscheint eben dieser Mann wieder in ihrem Leben und bittet um Vergebung - doch kann sie ihm wirklich verzeihen, was damals geschehen ist? Und noch wichtiger: Kann sie ihm vertrauen, bildet sie sich wirklich Dinge ein oder ist er tatsächlich ein kaltblütiger Mörder? Denn während er alte Gefühle in ihr weckt und die Schmetterlinge in ihrem Bauch zum fliegen bringt, sobald er bei ihr ist, schlagen ihre Gedanken einen ganz eigenen Weg ein. Herz und Kopf sind sich oft nicht einig, doch wenn man davon überzeugt ist, es mit einem Mörder zu tun zu haben und lediglich Beweise sucht, sind Schmetterlinge mehr als unerwünscht. Der innere Zwiespalt der Hauptfigur ist somit nachvollziehbar und ihr Drang, um jeden Preis die Wahrheit herauszufinden, absolut gerechtfertigt. 

Der Roman wartet jedoch nicht nur mit Mordopfern und Alyssa auf, es gibt noch einige Nebenfiguren, wie beispielsweise den Sicherheitsbeamten der Polizeigefängnisabteilung, John Rieder. Er ist jedoch nicht der Durchschnittsmann, für den er sich ausgibt, denn John hat ein düsteres Geheimnnis, das ihn auf gefährliche Art und Weise in die Geschehnisse verwickelt...

Eine Figur, die mir überaus sympatisch war, ist auch Alyssas Nachbar "Pitbull". Er gerät nur an den Rand der Hauptereignisse, doch seinen Vernarrtheit in Alyssas Mitbewohnerin ist eine gelungene Art und Weise, die Handlung etwas aufzulockern und verschafft außerdem den interessanten Blick auf die Hauptfiguren durch die Augen einer außenstehenden Person. Zusammen mit einem gewissen Unfall im Beautysalon wird somit zwischendurch eine sehr humorvolle Komponente eingebracht, der Roman ist also keine zu schwere Kost oder gar ein sehr finstere Geschichte.

Die Autorin schreibt in einem klaren, einfach gehaltenen Stil, der dennoch Gefühle, Gedanken und Handlungen der Romanfiguren glaubhaft und realistisch auf die Seiten bannt. Die Geschichte ist spannend, verwirrend und (nach der großen Auflösung am Ende) vor allem sehr tragisch. 

Für alle Fans von Büchern, die zum mitfiebern und Kopf zerbrechen einladen, ist dieser Roman somit sehr zu empfehlen. Zudem hat die Autorin für alle gesorgt, denen dies noch nicht gereicht hat und hat bereits die Vorgeschichte veröffentlicht, um einen besseren Eindruck in die Dynamik der beiden Hauptfiguren zu bringen - mehr Bücher sind doch immer gleich besser, nicht wahr? :)

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