"Mein bester letzter Sommer" - Anne Freytag

Tessa wird sterben. Bald. Wir reden hier nicht davon, dass sie nur noch wenige Jahre zu leben hat - es sind eher Wochen. 

 

Mit dieser Nachricht sowie mit den Schmerzen und körperlichem Abbau konfrontiert, zieht Tessa sich in sich zurück. Sie vernachlässigt ihre Freunde und streitet sich mit ihrer Mutter und bedauert vor allem sehr, dass sie in ihrem 17-jährigen Leben so wenig erlebt hat. Doch dann tritt Oskar in ihr Leben.... Zunächst stößt sie ihn noch weg,, doch schließlich lässt sie sich darauf ein und verliebt sich Hals über Kopf. Als sie sich endlich überwunden hat, ihm die Wahrheit über Ihren Zustand zu sagen, hat Oskar eine Idee. Die beiden wollen gemeinsam die Welt bereisen - so lange Tessa noch kann. Eine Route ist schnell gefunden und die beiden stürzen sich in ein Sommerabenteuer, in dem Wissen, dass dies Tessas letzte Reise sein wird. Jede Sehenswürdigkeit könnte die Letzte sein, die sie sieht und ein jeder Kuss der Letzte, den sie ihm geben wird...

 

Ich habe das Buch in einem einzigen Tag verschlungen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Sie schreibt hier mit wenigen Ausnahmen komplett aus Tessas Sicht und macht dabei ihre Verzweiflung, Wut und den Wunsch, nur noch etwas mehr Zeit zu haben, absolut verständlich. Tessa ist nicht perfekt, doch die Autorin nutzt gerade diese Fehler, um ihre Hauptfigur absolut menschlich darzustellen. Wie sie sich in Oskar verliebt und sich eigentlich selbst sagt, dass sie ihm diesen Verlust nicht antun darf, ist ausgearbeitet ohne jedoch die ersten Kapitel in die Länge zu ziehen. Die lustigen und herzlichen Chatverläufe der beiden Jugendlichen wirken lebendig und machen es dem Leser leicht, Teska ins Herz zu schließen. Das Gefühlsleben der weiteren Charaktere kann man nur aus ihren Handlungen und Aussagen entnehmen, es ist jedoch auch gar nicht nötig, den Fokus zu sehr von Tessa zu nehmen. Immerhin ist es ihr Tod und ihr letzter Sommer. Nichtsdestotrotz wird uns auch ein Bild vom Verlust und dem Schmerz ihrer Familie zu geben. 

Der einfühlsame und einfache Schreibstil der Autorin lässt die Geschichte leicht dahin fließen, dennoch mangelt es hier keineswegs an Ausdruck. Die Autorin setzt dem Leser ohne zu viel Platz mit Details zu verschwenden ein facettenreiches Bild in den Kopf und vielleicht fließt die Geschichte gerade deswegen so schön dahin. Durch Tessas Perspektive sehen wir natürlich das an Oskar, was sie sieht und so ist es sehr leicht, ihre rosigen Gefühle nachzuvollziehen. Oskar ist keineswegs ein eindimensionaler Charakter und auch er hat seine Geheimnisse und Schattenseiten, doch die beiden ergänzen sich einfach wunderbar und geben so ein perfektes, stimmiges Paar ab. 

 

Vor dem unvermeidlichen Ende des Buches und gerade in den letzten Kapiteln sind mir sehr oft die Tränen gekommen, denn die Ungerechtigkeit dieses frühen Todes und der damit verbundene Schmerz werden immer wieder geradezu grausam präsent.

 

Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen, sowohl die Handlung als auch der Schreibstil machen es zu einer großartigen Lektüre. 

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