"Das Lied der Freiheit" - Ildefonso Falcones

Ildefonso Falcones ist ein großartiger Autor. Anders kann ich das nicht sagen. Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe war Die Pfeiler des Glaubens und er hat mich mit seiner lebendigen und hervorragend recherchierten Darstellung der damaligen Leute und der Begebenheiten während des Glaubenskrieges absolut überzeugt.

 

Nicht weniger Hingabe merkt man in diesem Buch, die Kultur und die geschichtlichen Hintergründe des Romans sind einfach hervorragend ausgearbeitet worden.. Die Geschichte folgt drei Mitgliedern der Zigeunerfamilie Vega. Als erstes lernen wir alten Melchor, der jahrelang auf einer Galeere schuften musste und nun sein Geld mit dem Schmuggel von Tabak verdient, kennen. Eine weitere Hauptfigur wird seine Tochter Ana, eine stolze Zigeunerin, die ihre Kultur und Lebensweise an ihre wunderschöne und lebhafte Tochter Milagros vermittelt - die dritte Hauptfigur.

 

Melchor liest eines Tages die schöne und gebrochene junge Sklavin Caridad auf. Nach einem Leben voller Qual und Folter gibt die junge Enkelin der freigelassenen Sklavin etwas, das diese noch nie hatte - eine Freundin.

Verbunden sind die Beiden unter anderem auch durch ihre Liebe zur Musik und zum Tanz - seien es Tänze und Gesänge, um sich afrikanischen Göttern anzunähern oder sinnlicher Flamenco um die Zigeunerkultur zu leben. Gezeichnet wird das Leben der Figuren jedoch vor allem von der Verfolgung der Zigeuner und den daraus resultierenden Gefängnisstrafen und veränderten Lebensweise. Gerade die Frauen müssen alle an eigenem Leib erfahren, wie grausam die Welt 1748 und in den folgenden Jahren sein kann. Dem Autor gelingt es hier, vielschichtige Charaktere zu schaffen und diese zu  überzeugenden Repräsentanten ihrer Kultur und Zeit zu machen. Gerade wie die verschiedenen Generationen miteeinander agieren und die Herausforderungen ihres Lebens bewältigen müssen, wirkt beinahe so, als hätte der Autor den "Galeote" und die berühmte Sängerin Milagros de Triana tatsächlich getroffen.

 

Das Buch ist eine Liebeserklärung an die Freiheit, mit welchen Gefahren und Rückschlägen diese auch verbunden sein möchte. Es ist eine Ode daran, niemals aufzugeben - egal, wie hart das Schicksal zuschlägt. Gleichzeitig vermittelt es einen tiefen Einblick in das Leben und die Gedanken der Zigeuner und wie sie mit den weißen Payos leben und leiden. Über 746 Seiten können wir verfolgen, wie die Zigeuner leben - und womit Caridad unter ihnen zu kämpfen hat. Ablehnung, Hass und Begierde - all diese menschlichen Eigenschaften finden sich in den diversen bunt geschilderten Charakteren wieder.

 

Und gerade dieser Kontrast macht den Roman so großartig. Die Protagonisten lernen Freiheit und Gefangenschaft kennen. Freundschaft und Feinschaft, Liebe und Hass, Familie und Einsamkeit. Ildefonso Falcones schildert den langsamen Niedergang einer Kultur unter Unterdrückung der Obrigkeit und Hass durch fremde Völker und schafft durch seinen fließenden, dennoch anschaulichen und wechselhaften Schreibstil ein absolut angenehmes Lesevergnügen. Sich mit den Figuren zu identifizieren mag hier schwierig sein, jedoch wecken sie wirklich Sympathie und mit ihnen zu leiden ist herzzerreißend.

 

Dieser Roman ist wie die darin vorkommenden Tänze - leidenschaftlich, emotional und mitreißend. Meiner Meinung nach ein absoluter Lesetipp!

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