"Über uns der Himmel, unter uns das Meer"" - Jojo Moyes

Würdest du nach wenigen Wochen heiraten? Einen Soldaten, der bald darauf zurück in den Krieg muss und dich zurücklässt?

 

Und würdest du mit nichts als seinen Versprechen im Ohr und dem Ring an deinem Finger aufbrechen, deinen Kontinent und deine Familie verlassen, um jenem Soldaten eine Ehefrau zu sein?

 

1946 haben sich 600 junge Frauen aus Australien auf genau diese abenteuerliche Reise begeben. An Bord eines Flugzeugträgers brachen sie auf in eine ungewisse Zukunft - Jojo Moyes hat sich von diesen Frauen inspirieren lassen und mit Über uns der Himmel, unter uns das Meer mehrere außergewöhnliche Liebesgeschichten niedergeschrieben...

 

In ihrem Buch folgt sie vor allem vier jungen Frauen, die sich gemeinsam eine Kabine teilen. Zwischen ihnen entwickelt sich rasch Freundschaft wie auch Abneigung und zusammen  mit der detaillierten und glänzend recherchierten Beschreibung des Lebens auf Deck macht sie dieses Buch auf ihre bewährte Weise zu einem richtigen pageturner.

 

Da wäre Avice, die junge Frau aus gutem Hause, die zumeist nur auf die anderen Menschen an Bord des Schiffes herabsieht - unter der sorgfältig gepflegten Fassade ist sie jedoch tiefgründiger, als es zunächst scheint. Der Autorin gelingt es, ihre überhebliche Art schon beinahe nachvollziehbar darzustellen und im nächsten Kapitel ihre bissigen Bemerkungen aus Sicht ihres "Opfers" schon wieder in ganz anderem Licht erscheinen zu lassen. Als erstes ist mir die muntere Farmerstochter Margaet ans Herz gewachsen, eine unerschrockene junge Frau, die sich voller Mut in ihr neues Leben stürzt und doch mit Gedanken und Herz noch bei ihrer zerrütteten Familie ist. Mit ihr in einer Kabine ist die mit Abstand jüngste Passagierin, Jean, die mit ihrer quirrligen Art hauptsächlich Avice zu Tode nervt und letztlich an Bord des Schiffes Opfer schrecklicher Entwicklungen wird... Doch die interessanteste Figur ist Frances, eine Krankenschwester, die sich sehr in sich zurück gezogen hat und meist für sich bleibt. Im Laufe des Buches wird Stück für Stück mehr aus ihrer Vergangenheit bekannt - eine Vergangenheit, die schreckliche Narben in ihrer Seele zurückgelassen hat und der jungen Frau die Flucht in ein anderes Land als einzige Möglichkeit hinterlassen hat...

 

Auch die Schiffsbesatzung, unter anderem der Kapitän und einige Matrosen werden mit ihrer eigenen Perspektive in das Buch hinein geflochten und geben dem Leben an Bord noch mehr Glanz und ein Stück Realität. Zwischen Ehebruch, geflüsterten Versprechen, Unterwäsche auf dem Deck und einigen Prügeleien bleibt jedoch eine große Frage, die durch den Prolog aufgeworfen wird: Warum erschrickt eine alte Dame, die 1946 Passagierin dieses Schiffes war, zu Tode, wenn sie lediglich den Namen Victoria auf einem alten Schiff liest? 

 

Jojo Moyes verstrickt geschichtliche Begebenheiten mit authentischen Figuren und schafft so eine Eigendynamik an Bord des Schiffes, die letztlich zu viel Drama, Schrecken und doch auch schmerzlicher LIEBE führt. Gerade die letzten Kapitel sind emotional aufwühlend und überaus spannend.

 

Durch ihren lockeren Schreibstil und die facettenreichen Charaktere schafft sie einen Roman, den man  nicht aus der Hand legen kann und den ich absolut weiterempfehlen muss. Erneut ein Kunstwerk einer brillanten Autorin!

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