Frigid - Jennifer Armentrout

Ich kenne Jennifer Armentrout als eine Autorin, die interessante Geschichten um durchdachte Charaktere schreibt und die Entwicklung tiefster Gefühle dabei stets hervorragend einbindet.

 

Bei diesem Roman hat sie das nicht getan.

 

Frigid handelt von der 21-jährigen Sydney, die seit Jahren unsterblich in ihren besten Freund Kyler verliebt ist. Sie traut sich nicht, ihm ihre Gefühle zu offenbaren, doch als die beiden während eines Schneesturmes in einer Hütte eingesperrt sind, können sie die Spannung zwischen ihnen nicht mehr verleugnen. Es ist jedoch keinesfalls idyllisch, denn jemand hat es auf die beiden abgesehen.

 

Die Charaktere sind jedoch sehr oberflächlich und einfach gehalten, was man noch mit der Kürze dieses Buches begründen kann. Warum Sydney jedoch in Kyler verliebt ist, wird kaum thematisiert. Er sieht sehr gut aus und die beiden sind seit Kindertagen befreundet, weitere Ausführungen hat sich die Autorin gespart und stattdessen mehr Text aufgewandt, um die sexuelle Spannung zwischen den beiden aufzubauen. Ich persönlich möchte in einem Buch über unterdrückte Gefühle jedoch etwas weniger Gedanken zu seinem Sixpack und wie verwuschelt die Haare dieses Frauenhelden sind und bevorzuge einige positive Eigenschaften, die derartige Schwärmerei begründen.

Auch Kyler verzehrt sich heimlich schon lange nach Sydney, doch er ist der Meinung, nicht gut genug für sie zu sein. 

 

Das mag den meisten Lesern sehr bekannt vorkommen, denn genau dies ist die Handlung, wenn man 0815 Liebesroman in eine Suchmaschine eingibt. Eine schmachtende Frau und ein Weiberheld, der sich selbst für nicht gut genug für sie erachtet - diese Konstellation wurde bereits dutzende Male niedergeschrieben und bedarf keinesfalls weiterer Wiederholungen.

 

Auch im Verlauf des Romans bleiben die Entwicklung einer ansatzweise spannenden Handlung oder gar interessanter Charaktere vollkommen aus. Mir scheint fast, die Autorin habe das Buch an einem einzigen Nachmittag herunter geschrieben und gar nicht versucht, sich hier zu bemühen. Sehr enttäuschend für jemanden, der die bisherigen Werke von Frau Armentrout mit all den verschiedenen Charakteren, unerwarteten Wendungen und vielzähligen Einfällen bereits gelesen hat. 

 

Die Schwachpunkte in der Entwicklung der Geschichte möchte ich nochmals kurz ausführen:

 

Die auf dem Klappentext angekündigte gefährliche Verwicklung verfügt über eine nicht minder unkreative Hintergrundgeschichte und wird in einem Rutsch aufgeklärt und auch gleich beseitigt. Schade, denn hiermit hätte die Autorin ihrem Roman vielleicht noch etwas Spannung verleihen können. Stattdessen wird über mehrere Seiten ein völlig unnötiges Drama zwischen Kylyer und Sydney ausgeweitet, das ebenso langweilig wie auch sinnlos ist. 

 

Ebenfalls unsinnig empfand ich die Darstellung von Kylers sexuellen Eskapaden und sein anschließendes Verhalten Sydney gegenüber. Um es mit den Worten der Autorin zu sagen: An Kylers Tür wechseln sich die Mädchen ab als wäre es eine Bushaltestelle. Und selbstverständlich verfügt er über umfassende erotische Ausstrahlung und all diese Frauen gehen befriedigt und glücklich aus den Affären mit ihm hervor - mehr als eine Sexstellung hat der Adonis aber nie benutzt. Nein, die umfassenden Möglichkeiten einer gemeinsamen Nacht werden selbstverständlich erst mit der zuvor (Achtung: Klischee!) sehr unerfahrenen Sydney ausgetestet.... Ist das nicht ein wenig lächerlich? Wenn meine Hauptfigur ein sexuell ständig aktiver Frauenheld ist, dann sollte man ihn vielleicht mit ein wenig  mehr Repertoire ausstatten. Auch dass Kyler zwar ständig angetrunken oder gar sturzbesoffen Frauen mit in sein Bett nimmt, jedoch niemals tatsächlich neben einer von ihnen einschläft ist ebenso unsinnig wie die Vorstellung, dass all seine one night stands ein solches Verhalten kommentarlos und freudig akzeptiert haben.

 

Kommen wir schließlich zur Krönung der unsinnigen Vorkommnisse in diesem Roman: Obwohl Kyler seine Gefühle sich selbst gegenüber niemals eingestanden und Sydney die ihren nach bestem Wissen verheimlicht hat, war es sowohl für die Eltern unserer Protagonisten wie auch für all ihre engeren Freunde absolut vorhersehbar und nur eine Frage der Zeit, bis die Beiden ein Paar werden.

Es war also für die ganze Welt offensichtlich, dennoch hat niemand jemals darüber gesprochen oder auch nur eine Bemerkung hierüber gemacht? 

 

Ich bin von diesem Roman von Grund auf enttäuscht worden und kann nur empfehlen, die Finger von diesem Buch zu lassen.

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