Den Mund voll ungesagter Dinge - Anne Freytag

Sophies Vater hat beschlossen, Hamburg zu verlassen und zu seiner Freundin und deren Söhnen nach München zu ziehen - ganz egal, was seine siebzehnjährige Tochter davon hält. Aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen und in ein neues - ungewolltes - Leben hinein geworfen, verbringt Sophie ihre Tage zunächst hauptsächlich damit, sich in ihrem Zimmer zu verschanzen und mit ihrem besten Freund in Frankreich zu skypen.

Ewig verstecken kann sie sich jedoch nicht, denn sobald die Ferien vorbei sind, muss sie wieder in die Schule. Sie findet recht schnell Anschluss, als die Nachbarstochter Alex sie kurzerhand in ihren engen Freundeskreis mit aufnimmt, doch glücklich ist Sophie damit noch nicht. Der zurückgezogene und nachdenkliche Teenager lässt niemanden an sich heran - doch Alex gibt so schnell nicht auf. 

 

Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, was für die introvertiert handelnde Sophie eine regelrechte Premiere ist doch nachdem ein Kuss beim Flaschendrehen ungeahnte Gefühle weckt und somit unangenehme Fragen aufwirft, wird Sophies Leben abermals auf den Kopf gestellt.

 

Anne Freytag schreibt hier gefühlvoll und mit jeder Menge Einfühlungsvermögen von den quälenden Teenager Zeiten, in denen man sich selbst noch nicht gefunden hat und die Gedanken sich im Kreis drehen. Sophies Gedanken - teilweise selbstkritisch, teilweise zickig und teilweise schon beinahe melancholisch geben einen großartigen Einblick in die Gefühlswelt des Charakters und verschaffen dem Leser so nicht nur eine Hauptfigur, die in jeder Zeile authentisch und lebensecht wirkt sondern auch die Möglichkeit, intensiv über Dinge nachzudenken, mit denen man sich womöglich zuvor noch nicht besonders auseinander gesetzt hat. Gerade die langsame und doch spürbare Charakterentwicklung von Sophie während der Eingewöhnung in ihr neues Leben und der Selbstfindungsphase, die sie durchlebt, wird realistisch eingewoben. Eine weitere Stärke der Autorin ist es, Gefühle nicht einfach als vollendete Tatsache auftauchen zu lassen sondern diese langsam während verschiedenster Begebenheiten und Gespräche entstehen zu lassen.

 

Obwohl das Buch in der Ich-Perspektive gehalten ist, liegt der Fokus nicht ausschließlich auf Sophie. Auch die weiteren Charaktere wie Sophies Vater und seine Freundin wie auch das soziale Umfeld von Alex werden mit mehreren Facetten und dadurch ausnehmend menschlich gezeigt. Gerade dadurch gelingt es der Autorin, ein sehr berührendes Buch zu schaffen, das ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann. 

 

 

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