Wir fliegen, wenn wir fallen - Ava Reed

Ava Reed schickt ihre beiden Protagonisten auf eine Reise rund um die Welt und lädt uns dazu ein, sie zu begleiten...

 

 

Noel ist mit seinem Leben nicht sehr zufrieden. Er hat wenig Geld und hasst seinen Job bei McDonalds sowie seine winzige Wohnung über alles. Eigentlich weiß er, dass es Zeit wäre, sein Leben umzukrempeln, doch richtig dazu aufraffen kann er sich noch nicht. Seine bisherigen Versuche waren von wenig Erfolg gekrönt, denn eines hat er sofort klar gestellt: Er ist alles, nur kein Teamplayer. Sich auf andere Menschen verlassen? Dieses Risiko will er nicht eingehen, lieber verschließt er sich vor der Umwelt und den Menschen, die ihm begegnen.

 

Sehr verschlossen ist auch Yara, ein junges sensibles Mädchen, die nach einem sehr traumatischen Ereignis niemanden mehr zu sehr an sich heranlassen will. Sie gibt sich die Schuld am Tod ihrer Eltern und kapselt sich lieber völlig von ihren Schulkameraden und allen weiteren Personen ab - zu groß ist die Angst, erneut jemanden zu verlieren, zu groß die Schuldgefühle, die sie tagtäglich plagen.

 

Die einzige Gemeinsamkeit, die die Beiden haben ist ein alter Mann namens Phil. Und dieser hat schon lange beschlossen, den Beiden ein wenig unter die Arme zu greifen.

 

Ich hätte es wissen müssen, es läuft nie so, wie man sich das vorstellt. Es kommt immer anders, als man denkt.

 

Aber dieser Fall ist die Ausnahme, denn es ist so viel besser als das, was ich mir vorgestellt habe. Es ist so viel mehr. 

 

Nach seinem Tod hinterlässt er seinem Enkel Noel und Yara, die ihm im Altersheim immer Geschichten vorgelesen hat, zwei Briefe und eine Liste der Dinge, die eigentlich noch erleben wollte. Mit der Aufgabe, die Liste gemeinsam abzuhaken und seinen Ersparnissen machen sich Noel und Yara zunächst widerwillig auf die Reise. Während sie Wölfen begegnen, den Himmel berühren und ehrfürchtig das Polarlicht bestaunen, kommen sie sich nicht nur näher sondern fassen beide auch den Mut, ihr Leben neu zu beginnen. An den Wundern dieser Welt erkennen sie, dass das Leben so viel mehr bietet, als einen öden Job und ein festgefahrenes Leben. Sie lernen, die Vergangenheit aufzuarbeiten und mit sich selbst Frieden zu schließen - sie lernen, dass wir fliegen, wenn wir fallen.

 

... Und ich bin glücklich. Das ist alles, was zählt.

 

Ava Reed lädt den Leser mit einem leichten, fließenden Schreibstil dazu ein, seine eigene Fantasie zu benutzen, um sich den Regenwald und einen Fallschirmsprung auszumalen. Dadurch macht sie nicht nur Lust, selbst einmal in die Ferne aufzubrechen, sie lässt auch Raum, die Geschichte vollends in sich aufzunehmen. Ihre Charaktere haben beide eine schwierige Vergangenheit, sind jedoch keineswegs durchaus melancholisch sondern haben auch alberne Gedanken, wütende Ausraster und nachvollziehbare Gedanken - dadurch funktioniert nicht nur die Dynamik zwischen den beiden, auch die Handlung scheint wie von selbst zu entstehen. Während sie sich über Tränen, Wutanfälle und Gelächter immer näher kommen, lernen die beiden Teenager, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und nehmen einige überaus wichtige Lektionen in ihr weiteres Leben mit. Dabei ist das Buch weder übermäßig dramatisch noch oberflächlich sondern schafft es, eine angenehme Nische zwischen leichter Lektüre und traurigen Ereignissen zu finden und damit besonders auch für jüngere Leser geeignet. 

 

Bei diesem Roman handelt es sich um eine kurze, sehr mitreißende Geschichte, die ich uneingeschränkt jedem weiterempfehlen will, der in nur 291 viele Sehenswürdigkeiten und zwei ganz besondere junge Menschen kennenlernen möchte. :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0