Ich bin der Schmerz - Ethan Cross

Dieser Thriller hat mich wirklich von der ersten Seite an gefesselt und das liegt nicht zuletzt am großartigen Schreibstil des Autors. Vorrangig jedoch hat es mir einfach die geniale Geschichte angetan, die sich mehrfach in eine völlig andere Richtung entwickelt hat, als ich erwartet habe. So kann ich bereits vorab meine Empfehlung an alle Thrillerliebhaber aussprechen und auch den Einfallsreichtum des Autors sowohl was die Handlung als auch die Gestaltung der vollkommen verschiedenen Charaktere loben, möchte zur Geschichte aber im Folgenden nicht zu viel schreiben.

 

Die Grundhandlung ist noch nicht kompliziert - Ein Serienmörder muss gefasst werden. Von den Medien als Anstifter bezeichnet, entführt er die Familie seiner Opfer und lässt diesen zwei Optionen zur Auswahl:

a) Sie werden Körperteile ihrer Lieben stückweise zugesandt bekommen, mit einem Video, das ihre Qualen einfängt, bis schließlich die Leichen auftauchen oder 

b) Sie töten eine unbeteiligte, unschuldige Person, die der Anstifter ausgewählt hat. Jedes Opfer, das diese zweite Möglichkeit gewählt hat, wird tatsächlich damit belohnt, dass die Familie freigelassen wird. 

 

Neben den üblichen Behörden ermittelt auch eine gemeine Organisation der Regierung, die es offiziell gar nicht gibt. Unterhalb dem Raster steht es den Ermittlern frei, ohne die Einschränkungen der üblichen Behörden und zum Teil auch unter Überschreitung der Gesetze zu ermitteln - oder besser, zu jagen. Einer der Ermittler ist der von Schlafmangel und sengenden Kopfschmerzen geplagte Marcus Williams und ihm ist schnell klar, wer hinter den Morden steckt - sein Vater. Um diesen zur Strecke zu bringen, benötigt er Hilfe und es gibt nur eine Person, die ihm dabei helfen kann - der berüchtigte und gefürchtete Mörder Francis Ackerman - sein Bruder.

 

Dass es sich bei diesen Familienverhältnissen nicht um die übliche Jagd von FBI oder Polizei auf einen Verbrecher handelt, ist selbstverständlich klar. Für zusätzliche Spannung im Verlauf des Buches und überaus interessante und durchdachte Einblicke in die Hauptfiguren sorgt auch der Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln. So erhält der Leser nicht nur Einblick in die Köpfe von Marcus und seiner ebenfalls in der Geheimbehörde tätigen Verlobten Maggie sondern auch in einen Detective und die beiden Serienmörder selbst. Gerade die Figur des Francis ist mit sehr viel Hingabe ausgearbeitet worden und weist - Gewaltphantasien und grausamen Verhaltens zu trotz - durchaus nachvollziehbare Züge auf. Nicht nur durch Erinnerungen an seine grauenhafte Kindheit sondern auch durch seine besondere Weltanschauung ist der mit sich selbst völlig im Einklang stehende Serienmörder tatsächlich sympatisch.

 

Die Jagd auf den Mann, der hinter den aktuellen Mordserie und den psychischen Problemen seiner beiden Söhne steht, ist absolut lesenswert und bis zum Ende hin spannungsgeladen. Dabei sorgt der Autor zwischendurch auch für einige humorvolle Bemerkungen und obwohl es sich zunächst merkwürdig anhören mag, in einem Buch über Serienmörder auf Witz zu stoßen, fügt sich dies perfekt in die Geschichte ein und sorgt nochmals für gesteigertes Lesevergnügen. 

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