Interview mit Senta Richter

Senta Richter, Autorin der dystophischen OPUS-Reihe und des Jugendthrillers "Verspielt" hat mir ein wenig ihrer Zeit geopfert und mir ein paar Fragen rund um das Thema Autoren auf Instagram beantwortet. Nachdem sich auf Instagram eine große Gemeinschaft von Lesern versammel hat, sind selbstverständlich auch die kreativen Köpfe hinter den Romanen vertreten - doch wie genau fühlt es sich an, seine Bücher von fleißigen Bloggern in Szene gesetzt zu betrachten?

 

Hand aufs Herz: Gehst du dich manchmal konkret mit der Absicht, Rezensionen zu deinen Büchern zu lesen, auf Instagram oder generell ins Internet? Wenn ja, wie oft kommt das vor?

 

Na klar! Ich liebe es, Rezensionen zu lesen, denn nur so weiß ich, ob und inwiefern den Lesern meine Bücher gefallen haben. Ich suche daher regelmäßig bei Instagram (oder Google) nach passenden Hashtags oder Suchwörtern (z.B. #sentarichter) und lese alles, was Leser zu meinen Büchern schreiben, unabhängig davon, ob es eine lange Rezension oder nur ein Bild mit einem kurzen Kommentar ist.

Und: ich freue mich über alles!

 

Das freut die Leserschaft! Also heißt es für uns weiterhin: Buch drapieren und Wörter fließen lassen!

 

Hast du schon einmal eine wirklich schlechte Rezension zu deinen Büchern gelesen? Geht dir solche Kritik nahe oder stehst du darüber und kannst das ganz professionell handhaben? Kommt das auch auf die Machart (Professionalität, Sachlichkeit) der Rezension und deren Reichweite an?

 

Einen wirklichen „Verriss" eines meiner Bücher habe ich bisher noch nicht gefunden (zum Glück... :) )

 

Ich gebe zu, das hätte mich auch überrascht. Immerhin kann ich mich selbst eindeutig als Fan von Sentas Werken bezeichnen ;)

 

Eine sachlich begründete Kritik würde mir auf jeden Fall zu denken geben. Kurze, negative und unsachliche Kommentare („Das Buch ist total doof", ohne Begründung) treffen mich dagegen persönlich nicht, denn einerseits hat natürlich jeder eine andere Meinung und das ist auch okay. Andererseits haben kurze und unsachliche Bewertungen für mich keinen Mehrwert, denn daraus kann ich nicht ableiten, was genau an meinem Buch z.B. „doof" war und was ich idealerweise anders hätte machen können.

 

Folglich mache ich mir darüber wenig Gedanken. Generell bin ich der Meinung, dass nicht jedem meine Bücher gefallen müssen – ich selbst mag ja auch nicht jedes Werk. Von daher denke ich über Kritik nach, lasse ich mich aber davon nicht verunsichern.

 

So soll es sein - negative Gedanken haben noch niemanden weiter gebracht! 

Gab es eine bestimmte Bewertung, einen Kommentar oder ein Bild, das dich besonders begeistert haben? Oder anders gefragt: Was war die schönste Resonanz, die du im Internet zu deinen Büchern bekommen hast?

 

Ich freue mich über jede/n/s Bewertung, Kommentar oder Bild, aber ich weiß noch, welcher Kommentar mich besonders glücklich und froh gemacht hat: Und zwar hat eine Leserin geschrieben, dass sie Mila, die Hauptfigur aus meiner „OPUS“-Reihe, für eine starke und kluge Protagonistin hält. Das hat mich unheimlich gefreut.

 

(Wenn also die Leserin, die jenen Kommentar geschrieben hat, dieses Interview findet: Jetzt darfst du dich freuen! :)

 

Mila ist meine erste Protagonistin, die mir selbst viel ähnlicher ist als alle anderen. Ich habe die Bewertung der Leserin daher fast als Kompliment an meine eigene Person verstanden, obwohl das natürlich nicht so gemeint war. Außerdem freue ich mich immer, wenn jemand schreibt, dass ihn die Handlung und die Wendungen meines Romans überrascht und überrumpelt hat, denn das ist mein wichtigstes Ziel.

 

Stichwort Resonanz im Internet - Stört es dich, wenn deine Leser dich konsequent auf allen Beiträgen zu/mit deinen Büchern verlinken oder siehst du es ganz gegenteilig als Möglichkeit, die komplette Rückmeldung auf einen Blick zu verfolgen?

 

Das stört mich überhaupt nicht. Im Gegenteil, für mich macht es das natürlich viel einfacher, nach Rückmeldungen und Bewertungen zu suchen, die ich unheimlich gerne lese. Also bitte: Verlinkt mich!

 

Senta findet ihr auf Instagram unter @sentarichter und auf ihrer Facebook Seite @SentaRichter.Autorin

 

Jetzt haben wir einiges dazu gelesen, wie die Reaktionen von uns Lesern gefunden und aufgenommen werden, doch können wir damit sogar die Entwicklung eines Buches bestimmen? Haben wir Leser/Blogger tatsächlich Einfluss?

 

Sollten mehrere Leser den selben Punkt kritisieren, wie  etwa eine gewisse Verhaltensweise eines Charakters, würdest du diese Kritik annehmen und darauf achten, im nächsten Band/Roman genau dies zu vermeiden? Lässt du dir überhaupt von Kritikern im Internet "reinreden"?

 

Pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten, aber natürlich nehme ich mir gehäufte Kritik zu Herzen. Wenn ich die kritisierten Punkte nachvollziehen kann, würde ich auf jeden Fall darüber nachdenken, die Entwicklung der Figur in eine andere Richtung zu lenken (außer, wenn die Figur sich aus bestimmten Gründen auf eine bestimmte ggf. als negativ bewertete Art verhalten soll. Meistens hat ja alles einen tieferen Sinn... :)

 

Beeinflussen dich deine Testleser was die Entwicklung der Geschichte oder der Figuren angeht?

 

Auf jeden Fall! Ich bin im Schreibprozess absolut offen für Input und Ideen von außen. Mehr noch: Durch den Austausch mit Testlesern erweitert sich meine Sichtweise meistens, wodurch sich viele Handlungen anders entwickeln als ursprünglich geplant. Ohne mich mit anderen auszutauschen, würde es mir auf jeden Fall viel schwerer fallen, eine spannende Story zu entwerfen und am Ball zu bleiben.

 

Angenommen, in einem deiner Bücher entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung, wie man sie bei großen Bestsellern oft vorfindet (Panem, Twillight, etc.), könnten die diesbezüglichen Reaktionen und Meinungen der Leser beeinflussen, wer letztlich zusammen kommt?

 

Das ist eine interessante Frage! (Dankeschön!) Ich würde mir auf jeden Fall anschauen, in welche Richtung die Leser tendieren und warum ihnen eine bestimmte Konstellation besser gefällt. Für welche Variante ich mich entscheide, kommt aber auf die gesamte Story an – generell möchte ich die Leser lieber überraschen, aber man weiß ja nie...

 

Zu diesem Thema: In Harry Potter wurden Ron und Hermine ein Pärchen und haben geheiratet. Vielen Fans gefällt das nicht und es gibt ganze Instagram Seiten voller posts mit ausgedachten Konversationen und gephotoshopten Pärchenbildern. Angenommen deine Fans würden derartig loslegen und beispielsweise Abel und Tabea als perfektes Pärchen inszenieren, hätte das deine Zustimmung? Wie findest du solche Fan Seiten generell (Nicht nur auf A&T bezogen)?

 

Vorweg: Mir gefallen Ron & Hermine als Paar richtig gut.

 

Ich bin froh das zu hören, mir auch!

 

ich finde, die Story von Harry Potter ist darauf ausgelegt, dass sie zusammen kommen und sogar zusammen gehören. Aber wie gesagt, jeder hat zu Recht (!) einen anderen Geschmack, und ich bin die Letzte, die eine von meiner eigenen Ansicht abweichende Meinung verurteilt. Von daher fände ich es vollkommen in Ordnung, wenn Leser sich für ein bestimmtes Pairing in meinen Büchern stark machen. Das würde ich sogar unheimlich interessant finden und mir Gedanken zu der Motivation dahinter machen („Passen sie vielleicht wirklich besser zusammen? Und wieso?"). Und: Für mich wäre das auch eine riesige Ehre, wenn sich Leser derart tiefgehende Gedanken zu meinen Büchern und Figuren machen, dass sie sich neue Paarkonstellationen ausdenken – das fände ich richtig krass (im Sinne von: krass toll :))!

 

Viele Fan bases haben Spitznamen - ginge dir das zu weit oder fändest du das richtig cool?

(z.B. Gone with the wind fans: windies, Harry Potter Fans: potterheads, Sherlock Holmes Fans: sherlockians, Herr der Ringe: Ringers, etc.)

 

Generell finde ich diese Art von Spitznamen gut und praktisch, denn sie ermöglichen eine schnelle Identifikation von „Gleichgesinnten". Wenn das bei meiner „Fanbase" irgendwann der Fall werden würde, fände ich das auf jeden Fall auch wieder ziemlich krass, würde mich aber darüber freuen. Wie ich mich kenne, wäre ich aber bestimmt die Letzte, die mitbekommt, dass es so einen Spitznamen gibt :D Ich bin immer ziemlich verpeilt und nicht „up to date" bei sowas. 

 

Wir geben dir Bescheid - vermutlich verlinken wir das ;) Vielleicht entbahnt sich sogar in den Kommentaren eine Diskussion über einen Pärchennamen für Mila und Abel? (Miba geht gar nicht, das klingt nach einer Kakao Sorte. Amila? Hmm...

 

Wenn du die Bestsellerlisten sprengst und das Angebot bekommen würdest, Merchandise zu vertreiben - wärst du dafür oder hättest du das Gefühl, deine Fans werfen ihr Geld aus dem Fenster (golden Klimt Blumen für jede!! :))

 

Wenn die Leser Spaß an Merchandise-Produkten haben, würden sie ihr Geld ja nicht „aus dem Fenster werfe"“, sondern in etwas investieren, das ihnen Freude macht – von daher fände ich das absolut in Ordnung, Merchandise zu vertreiben.

 

Ich hätte gerne die limitierte special edition einer goldenen Klimt Blume. Wenn jemand da was managt, gebt mir Bescheid!

 

Bist du ein Fan mancher Fans? Freut es dich besonders, wenn beispielsweise Anabelle von Stehlblüten (deren Blog ich liebe) eine sehr positive Rezension über dein Werk schreibt oder sind für dich alle Rückmeldungen gleichbedeutend?

 

Ich bin ein Fan von allen meinen „Fans“ und freue mich über jede Rezension und jeden Kommentar, egal, wer ihn geschrieben hat. Wenn ich aber bei einem Buchblogger, von dem ich selbst viel halte und dessen Urteil mir wichtig ist, lese, dass ihm mein Buch gefallen hat, freue ich mich natürlich gleich doppelt :)

 

Dazu: Wie wichtig ist dir die Reichweite der Rezensionen? In deinen Leserunden hast du bisher nicht darauf geachtet, möglichst große Influencer zu sammeln, hat das für dich gar keine Bedeutung? 

 

Ehrlich gesagt kenne ich mich in der Buchblogger-Szene gar nicht richtig aus und weiß folglich nicht, wer dort große Influencer sind (kann mich jemand aufklären? ;)). Ich bin durch meine Bücher erst in diese Szene „gestolpert“ und habe per Zufall viele tolle Leute kennen gelernt, von denen manche vorher noch gar keine Blogger waren. Rezensionsexemplare habe ich dann nach und nach an ein paar Leser geschickt, aber nicht ausschließlich an Blogger, sondern an Menschen, die mir sympathisch waren und von denen ich glaubte, dass ihnen meine Bücher gefallen könnten.

 

Fang mit Cori von Corisbuchwelt an. Seeehr schöne Seite und so bescheiden! (Haha.)

 

Durch deine Leserunden und alle möglichen posts zu OPUS habe ich selbst einige wirklich schöne Instagram Seiten entdeckt, hinter denen sehr nette Menschen stecken - wie fühlt es sich für dich an, wenn deinetwegen Kontakte in der Bloggercommunity geknüpft werden? Macht es dich stolz oder rechnest du dir diesen Verdienst selbst überhaupt nicht an?

 

Das freut mich unheimlich, wenn meine Leser durch meine Bücher auch viele andere nette Menschen und Blogger entdecken. Genauso geht es mir ja auch – durch meine Bücher habe ich so viele tolle Leute kennen gelernt, denen ich vorher nie begegnet wäre. Ich fühle mich folglich eher als Teil davon und nicht als „Verursacher“ :)

 

Bist du auf den Kommentaren in Instagram schon einmal über Unterhaltungen von Lesern gestolpert, in denen ohne direkte Verlinkung zu dir über dein Buch geschrieben wird? Falls ja: Freuen dich solche Zufälle?

 

Ja, das ist wirklich schon mal passiert. Ich hab zuerst gedacht: „Oh, reden sie wirklich über mich?", aber dann hab ich mich riesig gefreut.

 

Und zuletzt noch eine ganz fiese Frage: Hat dir einmal ein post zu deinen Büchern einfach aus rein optischen Gründen nicht gefallen? Wie ein Bild auf Instagram, das keine große Qualität hat oder in deinen Augen unpassend/merkwürdig aufgezogen/dekoriert wurde?

 

Mir gefällt jedes Bild, auf dem eins meiner Bücher zu sehen ist, denn jedes Foto zeigt mir, dass irgendjemand da draußen meine Geschichten liest. Und das ist das, was mir wichtig ist. Klar, gerade bei Instagram sind viele Fotos kunstvoll (fast schon künstlich) arrangiert, aber letztendlich haben sie für mich den gleichen Wert wie ein Schnappschuss mit einem angebissenen Brot ;)

 
Nochmals vielen lieben Dank an Senta für das Interview! :)

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