Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt - Nicola Yoon

Madeline hat eine schwere Krankheit des Imunsystems und kann ihr Haus nicht verlassen - die gesamte Außenwelt könnte eine allergische Reaktion auslösen, die so schwer sein kann, dass sie daran sterben könnte... Kein einfaches Leben für ein junges Mädchen. Sie vergräbt sich in ihren Büchern und hat sich mit ihrem Leben abgefunden - dachte sie zumindest. 

 

Denn dann zieht nebenan Olly mit seiner Familie ein. Durch die gegenüberliegenden Fenster ihrer Zimmer und via E-Mail haben die beiden bald Kontakt und lernen sich kennen. Doch zwischen ihnen steht die große Barriere der Kkrankheit und die Frage, ob eine Freundschaft oder gar eine Beziehung unter diesen Umständen tatsächlich möglich ist.

 

Der genaue Name von Madelines Erkrankung wird im Verlauf des Buches nicht genannt, auch wenn es entsprechende Andeutungen gibt. Dennoch wird das isolierte Leben des kranken Mädchens hinter der Eingangsschleuse und den Luftfiltern mit einer beständig anwesenden Krankenschwester Clara und regelmäßigen Untersuchungen glaubhaft dargestellt. Obwohl sie online Unterricht bekommt und ständig von ihrer Mutter und der herzlichen Clara umgeben ist, ist Madeline jedoch sehr einsam und der Kontakt zu Olly wird ihr daher so wichtig.

 

Die ersten Begegnungen laufen kompliziert ab - Madeline möchte zuerst nicht, dass Olly erfährt, warum sie das Haus nicht verlassen kann. Sobald dieser Schritt jedoch getan ist, entwickelt sich die zwischenmenschliche Beziehung zwischen den Beiden wie von selbst - mit sofortiger Sympathie, viel Humor und dennoch stets einem der Situation geschuldeten Ernst. Madelines Mutter spricht sich gegen die aufkeimende Freundschaft der beiden aus, sie befürchtet, Madeline könne ein gebrochenes Herz nicht verkraften. Doch verkraftet sie ein ganzes Leben hinter Luftfiltern in einem keimfreien Haus?

 

Auch Olly hat es nicht einfach, denn seine ganze Familie leidet unter den Launen seines alkoholkranken Vaters. Ihre nächtlichen Unterhaltungen bilden so für beide Protagonisten eine willkommene Abwechslung, um die Härte des Alltags hinter sich lassen zu können. Doch Madeline reicht es nicht, Mails zu schreiben und Botschaften an die Fensterscheibe zu schreiben - sie möchte mehr. 

 

Sie möchte das ganze Leben.

 

Den Wind iin ihren Haaren spüren, den Regen in der Luft schmecken und die Natur unter ihren Füßen spüren - sie hält es nicht mehr aus, diese Erfahrungen nicht machen zu können. Und so fasst sie einen gefährlichen Entschluss - sie möchte die Welt sehen. Auch wenn es sie umbringen könnte....

 

Der Roman liest sich leicht und schnell, was größtenteils auch an der einfachen Ausdrucksweise der Autorin liegt. Die Kapitel starten mit Ausschnitten aus Madelines persönlichem Wörterbuch und auch der gesamte Roman spiegelt die Gedanken von Madeline in der ich-Perspektive wieder. Dabei wird bewusst auf zu komplexe Sätze oder Ausdrücke verzichtet, um den Text in eine angemessene Spiegelung der Gedanken eines jungen Mädchens zu verwandeln. Dies sorgt dafür, dass die Geschichte schnell dahin fließt, der Roman jedoch dennoch nicht zu ernst wird.

 

Mit Werken wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter kann man diesen Roman nicht vergleichen, hier wird auf eine ganz andere Art und Weise erzählt und auch ein anderer Fokus gelegt. Es geht weniger um Madelines Umgang mit den Gefahren ihrer Krankheit und den drohenden Konsequenzen sondern darum, wie sie damit lebt und dennoch eine positive Stimmung beibehalten kann. Gerade dadurch eignet sich der Romoan auch für jüngere Leser, welche gerne eine berührende Geschichte lesen möchten, ohne sich zu intensiv mit dem Tod auseinander zu setzen.

 

Ich kann den Roman durchaus weiter empfehlen, die Geschichte ist jedoch weniger emotional als vergleichbare Handlungen anderer Romane.

 

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