Die Rivalin der Königin - Elizabeth Fremantle

Dieser Roman basiert auf dem Leben einer außergewöhnlichen Frau, die während der Regentschaft von Königin Elisabeth I durch Intrigen und Ränkeschmieden versucht, den gesellschaftlichen Platz ihrer Familie zu sichern. Die Hauptfigur, Penelope Devereux, hat tatsächlich gelebt und einige Spuren in der Geschichte Englands hinterlassen, die durch die Autorin nunmehr aufgegriffen wurden. Der Charakter und die einzelnen Begegnungen im Roman selbst entstammen jedoch der Fantasie der Autorin, die dunklen Geheimnisse der Gräfinnen und Grafen sind daher (möglicherweise) Fiktion - und doch so treffend charakterisiert, dass man fast meinen könnte, die Autorin habe im 16. Jahrhundert tatsächlich hinter verschlossene Türen geblickt....

 

Mit zarten 18 Jahren wird Penelope eine der Hofdamen von Königin Elisabeth. Bewaffnet mit großem Charme und außergewöhnlicher Schönheit gewinnt sie die Gunst der Königin - doch sie weiß, dass dies ein gefährliches Spiel ist. Ihre eigene Mutter hat das Vertrauen der Monarchin unlängst verloren, da sie sich ohne deren Einverständnis vermählte. Schon ein einziges Wort bei Hofe kann reichen, um mit dem Vorwurf des Verrates und den schrecklichen Strafen konfrontiert zu werden.

 

Auch Penelope muss lernen, dass eine junge Frau im Jahre 1581 kein Mitspracherecht hat, was ihre Zukunft angeht. Doch ein gebrochenes Herz und ein missbilligender Ehemann verändern die Schönheit auf eine unerwartete Weise. Sie begreift, dass sie nicht so machtlos ist, wie sie dachte und beginnt bald, Allianzen zu schmieden und Intrigen zu spinnen. 

 

Mit der Gunst der Königin im Rücken bringt sie die Familie Devereux an die Spitze der Gesellschaft und sorgt dafür, dass ihr Bruder Robert der Liebling ihrer Majestät wird. Doch währen die Jahre vergehen und die ungesicherte Thronfolge England in Angst versetzt, muss auch Penelope erkennen, dass sie nicht jede Schlacht gewinnen kann. Sie und ihr Bruder werden in ein gefährliches Spiel verstrickt, das den gesellschaftlichen Absturz der Familie und sogar ihre Hinrichtung zur Folge haben könnte...

 

Elizabeth Fremantle schreibt den Roman aus der Erzählperspektive und folgt hierbei nicht nur den Erlebnissen von Penelope sondern auch denen ihres größten Widersachers bei Hofe: Robert Cecil. Dieser versucht seinem Vater nachzufolgen und Staatssekretär der Königin zu werden. Dabei sind ihm die Ambitionen der Familie Devereux und besonders Graf Robert Essex, Penelopes vergötterter Bruder, mehr als einmal ein Dorn im Auge. Cecil hat ein Netzwerk aus Spionen, welches das der Devereux sogar zu übertreffen vermag und liefert sich einen harten Kampf um die Gunst der Königin und hofft, die Familie Devereux ein für alle Mal vom Hof zu entfernen. 

 

Die wechselnden Charaktere geben Einblick in die verschiedensten Vorgänge bei Hofe und die gezielte Entwicklung von Intrigen und Gerüchten. Das Verhalten der Mitglieder des Hofstaates und wie schnell auch nur ein in die falschen Hände geratener Brief oder ein Gerücht Opfer fordern können, wird klar thematisiert und schafft eine Atmosphäre der Anspannung der Unsicherheit, die Penelope ihr ganzes Leben begleitet. 

 

Die imposante Königin wird älter und ihre Nachfolge ist nicht gesichert - die heimliche Korrespondenz mit potentiellen Thronfolgern und vor allem auch die Versuche, die Königin  zu beeinflussen, werden gerade in Cecils Kapiteln stark thematisiert. Durch den Einblick in die Gedanken von Penelope und Cecil kann sich der Leser einen sehr guten Einblick in die Welt bei Hofe und die Normen der Gesellschaft zu dieser Zeit machen. Auch die Angst vor einem Krieg und der unsicheren Zukunft, die nicht nur bei Hofe sondern auch bei der einfachen Bevölkerung umgeht, finden spielend Platz im Roman und verschmelzen simpel mit der Haupthandlung, ohne den Fokus von der beeindruckenden Durchsetzungsfähigkeit und dem Intellekt Penelopes oder dem gerissenen Vorgehen Cecils zu nehmen. 

 

Mehrfach werden im Roman auch die Dichtkunst von Shakespeare und dem Penelope vollkommen verfallenen Sir Philip Sidney gewürdigt. Dabei fließen die Texte mit Leichtigkeit in den Stil des Romans hinein, denn die wiedergegebenen Unterhaltungen wirken durch die verwendeten Ausdrücke sehr zeitgemäß. Dennoch muss man sich nicht auf seitenweise Ausschweifungen voller blumiger Satzbauten gefasst machen, die Autorin achtet hier durchaus darauf, einen fließenden Schreibstil beizubehalten und die Unterhaltungen so kurz wie die Beschreibungen lebendig zu halten.

 

Punktabzug gibt es von meiner Seite jedoch dafür, dass beim Lesen gerade bis zu den letzten Kapiteln nicht übermäßig viel Spannung aufgebaut wurde. Das liegt nicht an den Zeitsprüngen zwischen den Kapiteln (eine Notwendigkeit, wenn ein Roman ein aufregendes Leben widerspiegeln soll) sondern an der Erzählung an sich. Trotz Kapiteln aus der Perspektive der beiden Figuren wird stets ein gewisser Abstand gewahrt, welcher bei anderen Unterhaltungsromanen nicht gegeben ist. Die Handlungen und Gefühle von Penelope und Cecil werden zwar beschrieben, für mich ist jedoch nicht richtig "der Funke übergesprungen". Womöglich hätte ich die Entwicklungen als spannender empfunden, wenn die Autorin noch mehr auf die Charaktere eingegangen wäre.

 

 

Dennoch  war es sehr interessant, in die Welt am Hofe von Königin Elisabeth I einzutauchen und ich kann das Buch durchaus empfehlen, wenn man Interesse an Adel, Intrigen und geschichtlichen Ereignissen hat. Der Roman ist ein Gesamtpaket, das Wissen über die Ereignisse von 1581 bis 1603 und zudem Respekt für eine ungewöhnliche und bewundernswerte Frau vermittelt. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Katrin (Dienstag, 01 August 2017 22:26)

    Super schön geschriebene Rezension! Schade, dass dich das Buch nicht ganz überzeugen konnte ... dabei klingt es sooooo gut!

  • #2

    Corisbuchwelt (Freitag, 04 August 2017 15:38)

    Danke für deinen lieben Kommentar :) Ich fand es auch schade aber es war ja nicht grundsätzlich schlecht - sehr interessant war es allemal. Nur eben gegen Ende nicht so spannend, wie es die Geschichte vielleicht her gegeben hätte... :)