Stadt der Intrigen - Christina Kovac

Virginia Knightley hat es fast bis an die Spitze ihres Senders gebracht. Sie leitet die Abendnachrichten mit einem festen Gespür für Sensationen und die richtige Inszenierungen von Informationen und Bildern, um die zusammen gestellten Skripte wirklich perfekt wirken zu lassen. Während sie sich genau wie alle anderen im Sender damit abfinden muss, dass ihnen ein unsympathischer neuer Vorgesetzter das Leben schwer macht und ihr tatsächlich einen Grünschnabel als neue Nachrichtensprecherin aufs Auge drücken muss, stolpert Virginia über eine neue Story.

 

Zunächst wirkt es nicht sehr außergewöhnlich - die junge und attraktive Anwältin Evelyn Carney wird vermisst. Ihr Ehemann hat ein Alibi und die "übliche" Reihe an Spekulationen über Liebhaber und Straßenmörder werden laut. Doch Virginia ist sich absolut sicher, dieses Gesicht schon einmal in einem Beitrag gesehen zu haben. Sie beginnt zu ermitteln und bekommt es dabei mit dem leitenden Detective des Falles zu tun - ihrem Ex Michael Ledger, auch Detektive Hollywood genannt. Dieser wird zu einer wichtigen Informationsquelle - doch kann sie ihm vertrauen? Und ist es tatsächlich ausschließlich der Fall, der die beiden wieder verbindet?

 

Ihr top anchorman, Ben Pearce, sieht das ganz anders. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er mehr in Virginia sieht als nur seine Chefin und dass ihm ihr Kontakt zu Michael überhaupt nicht passt.  Während Virginia versucht, professionell zu arbeiten und stets beschwört, dass es ihr nur um die Story geht, ist sie bald in einem komplizierten Netz aus verletzten Gefühlen gefangen. Sie muss sich selbst darüber klar werden, was sie eigentlich will und ob sie überhaupt eine Beziehung führen kann. Das Liebesleben der Journalistin und ihre schwere Vergangenheit werden hier durch die von der Autorin gewählte Ich-Perspektive sehr detailliert und dennoch nicht aufdringlich eingewoben. 

 

Doch während sowohl seitens des neuen Chefs, durch Ben sowie auch durch ihre Mitarbeiter, die sich in der harten Situation mit drohenden Kündigungen im Stich gelassen fühlen, unter Druck gesetzt wird, findet sie immer mehr beunruhigende Details über das Leben von Evelyn heraus. Sie fühlt sich auf seltsame Weise mit ihr verbunden und kommt nicht zur Ruhe, wenn der Fall nicht aufgeklärt wird - doch findet sie Verbindungen zu einem Staatsanwalt, der Polizei selbst und einigen in Washington sehr mächtigen Menschen. Ist sie dem Ganzen wirklich gewachsen? Virginia wird von Ehrgeiz getrieben, zeigt jedoch auch stellenweise Selbstzweifel. Die Kombination aus investigativen und gerissenen journalistischen Gedankengängen mit einem Einblick in die verletzliche Person, die hinter der harten Schale steckt, ist hier mehr als gelungen. Auch die Arbeitsabläufe der Polizei und des Fernsehsenders sind detailliert und authentisch dargestellt - die Autorin hat selbst als Produzentin beim Nachrichtenjournalismus gearbeitet und weiß daher, wie diese Jobs wirklich funktionieren. Dieses Hintergrundwissen sind ein eindeutiger Gewinn für die Geschichte und machen die Entwicklung der Ereignisse noch realistischer. 

 

Virginia muss nicht als Sympathieträgerin funktionieren, dennoch trägt sie die Story. Sie wird nicht übermäßig perfekt oder großherzig dargestellt, es bleibt jedoch kein Zweifel daran, dass sie nicht möchte, dass "ihre Leute" beim Sender ihre Jobs verlieren oder der ihr am Herzen liegende Ben verletzt wird. Dabei wirkt sie extrem menschlich, gerade dadurch, dass die Autorin ihrer Figur hier bewusst einige negative Eigenschaften und eine gewisse emotionale Kühle verschafft. 

 

Die Geschichte, die hinter dem Verschwinden von Evenlyn Carney steckt, ist sehr durchdacht und vor der finalen Enthüllung werden einige große Geheimnisse aufgedeckt. Die Verwicklungen der verschiedenen Personen in den verschiedensten Schichten von Washington schaffen große Spannung, die mit einigen Verbrechen und der Angst vor dem Täter und dem wahren Ausmaß der Hintergründe eine sehr düstere Atmosphäre schafft. Dennoch ist es kein Psychothriller, der für schlaflose Nächte oder Gänsehaut sorgt - der Fokus liegt hier auf Intrigen und Machtspielchen.

 

Ich kann den Thriller absolut weiter empfehlen, gerade wegen des simplen Aufbaus und Schreibstils. Da manche Kapitel größtenteils aus Unterhaltungen und den Hintergedanken von Virginia bestehen, wird die Geschichte beim Lesen sehr lebendig und man fühlt sich beinahe so, als stünde man selbst ahnungslos in Mitten der Pressekonferenz.

 

Fazit: Sowohl für Thriller Fans als auch für jeden, der Spannung bis zur letzten Seite genießen möchte, ist dieses Buch ein Gewinn und sollte unbedingt gelesen werden!

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