The hate you give - Angie Thomas

Starr hat zwei Persönlichkeiten, je nachdem, wo sie gerade ist. In ihrer überwiegend weißen Privatschule bemüht sie sich sehr, nicht als "angry black girl" bekannt zu werden und achtet auf ihre Umgangsformen und ihr Vokabular. Doch zuhause, in ihrem schwarzen Viertel, möchte sie nicht als eingebildetes Mädchen von der Privatschule gelten. Wer ist sie wirklich? Diese Gedanken beschäftigen sie, als sie auf einer Party ist. Dort fallen Schüsse und sie und einer ihrer Kindheitsfreunde, Khalil, fliehen in seinem Auto vor der Gewalt. Auf dem Heimweg werden sie grundlos von einem Polizisten angehalten - und Khalil wird erschossen. Schnell sind die Nachrichten voll davon und Khalil wird als Drogendealer abgestempelt - doch war er das? Und selbst wenn - muss sein MÖRDER nicht zur Rechenschaft gezogen werden?

 

Starr wird hinein gezogen in ein kompliziertes Netz aus Emotionen. Zwischen Angst, in der Öffentlichkeit laut zu werden und Wut über das Geschehene, zwischen der Frage nach willkürlicher Polizeigewalt und gefährlichen Gangs in ihrem Viertel muss Starr sich entscheiden, wie sie mit dem traumatischen Erlebnis und dem Verlust ihres Freundes umgehen soll. Dabei legt die Autorin Wert darauf, den Fokus auch auf andere Aspekte in Starrs Leben - und die Auswirkungen jener schrecklichen Nacht auf diese - zu legen.

 

Starrs möglichst unauffälliges Leben an der Privatschule, die Freundschaften die sie dort führt und der noch immer vorherrschende (teilweise mehr, teilweise weniger) verstreckte Rassismus werden thematisiert. Dabei möchte die Autorin fragen, wann Rassismus auch unbeabsichtigt auftaucht und wie dabei umgegangen werden sollte. Gerade im schulischen Umfeld ist der richtige Umgang mit einander ein wahres Minenfeld.

 

Auch die Beziehung der Hauptfigur mit einem Weißen aus einer wohlhabenden Familie und der sich für sie daraus ergebende innere Konflikt wie auch der offene Konflikt durch die Ablehnung ihres Vaters werden in die Geschichte eingewoben. Hierbei wird deutlich, wie Khalils Tod Starrs Verhalten und ihre Sichtweise verändert und welche Auswirkungen dies hat. Ihre gesamte Zukunft und Denkweise werden beeinflusst und entwickeln die Handlung entsprechend.

 

Auch Starrs Familie ist unmittelbar betroffen - durch die Reaktion der Polizei wie auch der Nachbarn und Gangs und zudem durch die Fragen, die sich Starrs Eltern stellen müssen. Können sie ihre Kinder noch guten Gewissens in diesem Viertel groß ziehen und ihnen dennoch eine gute Zukunft ermöglichen? Ist es Verrat, wenn sie in eine andere Gegend "auswandern"? Gibt es überhaupt etwas, das sie tun können, um den Kindern und Jugendlichen des Viertels zu einer besseren Zukunft zu verhelfen?

 

The hate you give zeigt das Leben in einem Viertel, das mehrfach auch als Ghetto bezeichnet wird und die Gedanken und Reaktionen der Bewohner aus den verschiedensten Blickwinkeln. Die Autorin zeigt, wie der Tod eines Jugendlichen durch den Schuss eines Polizisten die Gemüter bewegt, welche Änderungen dieser auslöst - und welche nicht. Denn es ist kein Einzelfall, dass schwarze Jugendliche bei einer Polizeikontrolle erschossen werden.

 

Doch nicht nur das Thema des Rassismus und des Lebens in einem armen Viertel werden aus diversen Blickwinkeln betrachtet. Auch die Abläufe von Starrs Leben nach besagter Nacht weisen die unterschiedlichsten Richtungen auf. Ihre Freundschaften, die Reaktionen der Schule und der Öffentlichkeit, der verschiedenen Bewohner des Viertels und auch der Familienmitglieder finden Platz, ohne die Handlung zu umfassend werden zu lassen.

 

Dennoch hat mich das Buch nicht vorbehaltlos überzeugt.

 

Dies liegt nicht nur am Schreibstil der Autorin, der mir ein wenig zu "abgehackt" war - die Gedanken von Teenagern können auch weitläufig beschrieben werden, ohne die junge Atmosphäre zu verlieren - sondern vor allem an der Hauptfigur. Es war mir nicht möglich, viel Sympathie für Starr zu entwickeln.

 

Obwohl sie schreckliches durchmacht, fungiert sie hauptsächlich als Beobachterin. Es wird aus ihrer Perspektive beschrieben, was passiert und welche Unterhaltungen stattfinden, ihre Gefühle gehen dabei jedoch unter. Nur stellenweise wird ihre Trauer tatsächlich beziffert, hauptsächlich stellt die Autorin dar, welche Entscheidungen das junge Mädchen trifft - ohne den emotionalen Aspekt der Hintergründe zu beleuchten. Starr entscheidet sich, eine bestimmte Richtung einzuschlagen und dies hat Konsequenzen. Doch warum sie auf eine bestimmte Weise, wird nicht immer deutlich. Ihre Gedanken wurden für mein Empfinden nicht tiefgreifend genug niedergeschrieben, es fehlten die emotionalen Komponenten, die eine Figur realistisch wirken lassen. 

 

Ich möchte nicht nur darüber lesen, wem gegenüber Starr welche Details aus der Mordnacht anvertraut - ich als Leserin möchte verstehen, warum sie es tut. Ich möchte erfahren, wem sie aus welchen Gründen vertraut, welche Intentionen sie aufgrund welcher Gefühle verfolgt und dadurch den Charakter kennen lernen. 

 

Fazit: Die Handlung von The hate you give ist sehr facettenreich und die Abläufe wirken durchaus glaubwürdig, doch nachdem die Hauptfigur verhältnismäßig wenig lebensecht dargestellt wird, kann ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich habe in einigen Rezensionen gelesen, dass das Buch die Leser berührt hat - das hat es bei mir nicht geschafft. Das Thema ist interessant und sollte durchaus noch mehr reflektiert werden doch für mich ist dieser Roman nicht überragend. Es ist ein gutes Buch, jedoch kein herausragendes. 

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