Selkie - Antonia Neumayer

Kate Corrigal lebt mit ihrem alkoholkranken Vater und ihrem Bruder auf einer kleinen schottischen Insel. Ihr Leben ist nicht sonderlich aufregend, bis eines Tages drei Männer in den Ort kommen - und ihren Bruder mitnehmen. Nachdem Gabriel selbst seiner Schwester nicht erzählen möchte, warum er sein Studium und seine Zukunft wegwerfen möchte, um sich einer mysteriösen Organisation anzuschließen, muss sie selbst herausfinden, welches Geheimnis hier versteckt wird. Kurzerhand schleicht sich Kate auf das Boot der geheimnisvollen Männer. Kurz darauf taucht auf hoher See ein junger Mann auf und ein Schusswechsel entbrennt. Vollkommen überfordert, flieht Kate mit dem Jungen und wird bald in ein großes Abenteuer verstrickt.

 

Die geheimnisvolle Organisation, der sich ihr Bruder angeschlossen hat, bekämpft Fabelwesen. Meerjungfrauen, Einhörner und Selkies - sie alle sollen ausgelöscht werden. Der junge Mann, Ian, bringt sie zu seinen Freunden - diese wollen die Organisation, die sich Saighdear nennt, aufhalten und bitten Kate, etwas unglaublich gefährliches zu tun: Sie soll sich einschleusen und spionieren. Denn die Männer, die ihren Bruder haben, töten unschuldige Tiere bei ihrer irrationalen Jagd auf magische Kreaturen. Kate ist wild entschlossen, sich auf die Gefahr einzulassen und ihren Bruder aus den Fängen dieser Organisation zu befreien - koste es, was es wolle. 

 

Doch während Kate Anwärterin der Saighdear ist, wird ihr eine ganz andere Geschichte erzählt - eine Geschichte von grausamen und gefährlichen Wesen, die aufgehalten werden müssen. Wesen, die ihre Mutter getötet und unzählige weitere Menschen getötet und Familien auseinander gerissen haben. Doch was ist die Wahrheit?

 

Antonia Neumayers Geschichte über Figuren aus schottischen Sagen ist etwas anderes als die "üblichen" Jugendromane über Vampire und Werwölfe und alleine deshalb schon etwas ganz besonderes.

 

Am Anfang fiel es mir etwas schwer, mich in Kate und die Geschichte hinein zu versetzen. Nach einigen Kapiteln nimmt die Handlung jedoch Fahrt auf und die Geschichte wird spannend.  Kate wird sehr sympatisch und in den aus ihrer Perspektive  geschriebenen Kapiteln kann man ihre Zerrissenheit zwischen Saighdear und Ians Bewegung sehr gut nachvollziehen. Auch ihre Liebe zu Gabriel und Verzweiflung über seinen Entschluss, sie zu verlassen, ist als steter Unterton in ihren Handlungen und Gedanken zu finden.

 

Als entsprechenden Kontrast gibt es Kapitel über Ian - er macht sich Vorwürfe, Kate in diese Gefahr gebracht zu haben und hat einen sehr kritischen Blick auf seine eigene Organisation. Dennoch sieht er die Saighdear in all ihrer Grausamkeit und hat den brennenden Wunsch sie aufzuhalten. Nachdem jedoch keiner von beiden ein verblendeter Idealist ist und dennoch beide Figuren heroisch kämpfen, sind die Kapitel aus beiden Perspektiven interessant und wichtig für die Entwicklung der Geschichte. 

 

Die Selkies - Robben, die ihr Fell ablegen und zu Menschen werden - sind gerade deshalb eine sehr gute Grundlage für diesen Roman, weil ihre Fähigkeiten und Verhaltensmuster nicht vorhersehbar sind. Immerhin gibt es nicht schon dutzende Romane über Selkies und dadurch ist der Roman eine erfrischende Abwechslung und eindeutig zu empfehlen. 

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