Rette mich nicht - Rahel Hefti

Einen young adult Thriller zu schreiben, ist nicht einfach. Dieser muss dennoch spannend sein und die Leser von Anfang an fesseln, braucht einen düsteren, gefährlichen Beigeschmack und darf doch nicht zu brutal oder blutrünstig werden. Ich persönlich weiß nicht, wie man das macht - Rahel Hefti schon.

 

Zum Inhalt: Darian Capriati ist gefährlich, davon sind die Menschen in seinem Umfeld fest überzeugt. Der Sohn eines Verbrechers gerät in Prügeleien, verfolgt seine Exfreundin und hat sich von seinen Schulfreunden vollkommen zurückgezogen - der Höhepunkt des Ganzen war die Explosion eines Autodrom, für die man ihm die Schuld gibt. Einzig seine Exfreundin Ellen ist noch geneigt, etwas Gutes in ihm zu sehen. Zumindest bis sich Anhaltspunkte für ein noch viel schrecklicheres Verbrechen ergeben....

 

Ein besonderes Merkmal des Romans ist, dass nicht nur Ellen und Darian eine Hauptrolle spielen. Die Autorin schafft eine ganze Clique rund um Ellen, die auch einst mit Darian sehr gut befreundet war. Marin, Lara und Chris haben alle ihre persönlichen Eigenarten und völlig unterschiedliche Charakterzüge, die während ihrer Unterhaltungen und der Geschehnisse alle hervorstechen und den Freunden sehr viel Leben einhauchen. Konflikte, Streitereien und Freundschaft wirken wie aus dem Leben gegriffen und es würde mich nicht wundern, wenn Rahel Hefti in Wahrheit die Geschichte nur in einem Cafè belauscht hätte... Zumindest den fröhlichen Teil. (but who knows...) Perfekt für uns Leser wurde zudem die Figur Ben geschaffen - ein junger Bursche aus München, der seine Tante besucht und vorher nie von einem Darian Capriati gehört hat. Während Ben die Clique und Gerüchte kennen lernt, bekommen auch wir Leser einen Einblick und können bereits nach wenigen Seiten tief in die Geschichte eintauchen.

 

Zur weiteren Handlung möchte ich nicht zu viel schreiben, um die Spannung nicht zu zerstören - denn SPANNUNG ist von Anfang bis Ende dabei. Die große Frage, ob bad boy Darian tatsächlich ein Verbrecher oder gar Mörder sein könnte, wird in wechselnden Perspektiven von allen Freunden gestellt und daher auch aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet. Wir erfahren intimes über seine Beziehung zu Ellen, sein Elternhaus und die unterschiedlichen Facetten, die Darian gezeigt hat. Ganz besonders interessant sind natürlich die Kapitel aus der Perspektive des bad boys selbst - denn hier schafft es Rahel, uns die Handlungen und Entscheidungen des ominösen jungen Mannes näher zu bringen, ohne seine Beweggründe vorweg zu nehmen. Der fließende, leichte Schreibstil tut sein Übriges und schafft eine sehr angenehme Leseathmosphäre. Ich persönlich konnte den Roman nicht mehr aus der Hand legen und musste unbedingt wissen, wie es weiter geht.

 

Fazit: Rahel Heft liefert eine Mischung aus Jugendroman, Thriller und Krimi, die die Leser von Anfang an in den Bann zieht und ganz ohne grausame und perverse Mörder eine sehr intensive Spannung aufbaut und den Leser rätseln lässt, wer Darian Capriati nun wirklich ist...

 

Ein paar Abstriche in der Bewertung muss ich dennoch machen, da ich gerade am Anfang einem so jungen Mann die ihm zur Last gelegten Taten nicht zugetraut habe. Die Charaktere wachsen in die Geschichte hinein, dennoch wären ältere Protagonisten möglicherweise passender gewesen. Zudem bin ich mit der Figur Ellen nicht ganz warm geworden, da sie mir ein wenig zu perfekt erschien. Das alles ist natürlich meckern auf hohem Niveau, dennoch ist der Roman in meinen Augen dadurch nicht ganz vollkommen. Für einige wundervolle Lesestunden kann ich "Rette mich nicht" jedoch absolut empfehlen.