Noah will nach Hause - Sharon Guskin

Janie ist vollkommen ratlos. Ihr vierjähriger Sohn weint jede Nacht nach seiner Mutter - doch er meint nicht sie. Fortwährend erzählt er von Dingen, die er noch nicht wissen kann, von Menschen, die es nicht gibt. Von einer anderen Mutter, die er nicht hat. Und er träumt, jede Nacht. Träumt von unerträglichen Schmerzen, von Wasser, dass ihn umschließt, bis er nicht mehr atmen kann. Jede Nacht hört sie die verzweifelten Schreie und das Weinen ihres Sohnes, ohne ihm helfen zu können. Verzweifelt läuft sie mit ihrem Sohn von Psychologen zu Psychologen, versucht alles, was sie kann. Und schließlich stößt sie auf Professor Jerome Anderson. Einen Mann mit einer Theorie: Wenn sie ihm glaubt, leidet ihr Sohn nicht an Wahnvorstellungen oder einer Psychose. Wenn sie ihm glaubt, erinnert er sich an ein früheres Leben.

 

Ein Leben, das gewalttätig beendet wurde. Professor Anderson möchte sie dazu bringen, dem nachzugehen. Und Janie muss sich entscheiden - glaubt sie an Reinkarnation? Und würde es ihrem Sohn tatsächlich helfen, herauszufinden, wie er gestorben ist? 

 

Kann ihr Herz es ertragen, ihren Sohn eine andere Mutter zu geben?

 

Ich bin mehr als verliebt in dieses Buch.

 

Diese herzergreifende Geschichte ist keineswegs esoterisch, im Gegenteil. Es wird fortwährend die Frage gestellt, ob Professor Anderson tatsächlich Recht hat oder einem Hirngespinst nachjagt. Die Autorin wechselt zwischen der Perspektive von Janie, dem Professor und einer Mutter, die ihr Kind verloren hat, hin und her. Dabei schildert sie einfühlsam die Liebe, die Janie für den kleinen Noah empfindet und die Angst, die sie verspürt. Die Sorge um ihr Kind wechselt mit Zweifeln an ihr selbst und an allem, woran sie geglaubt hat.

 

Professor Anderson hingegen ist fest davon überzeugt, dass Reinkarnation real ist. Sein Lebenswerk ist es, anderen Wissenschaftlern und auch der normalen Bevölkerung seine Arbeit näher zu bringen. Und dies ist alles, was ihm geblieben ist - denn seine Familie hat er verloren. Und nun steht er vor einer schrecklichen Diagnose und nähert sich dem Ende seines Lebens. Noahs Geschichte könnte ihm dabei helfen - wenn nur Janie zulässt, dass er tatsächlich hilft.

 

Zur dritten Person möchte ich nicht zu viel schreiben, um der Geschichte nichts zu nehmen. Ich werde lediglich anmerken, dass es unglaublich herzzerreißend ist, auch diese Kapitel zu lesen. Herzzerreißend und aufwühlend ist der Roman gerade dann, wenn er sich mit Verlust und dem Ende des Lebens auseinander setzt. Denn der Beginn eines neuen Lebens bedeutet das Ende eines alten. Dass sich ein Vierjähriger mit solcherlei auseinander setzten muss, dass er mit den Erinnerungen an einen Mord geplagt ist, ist keine einfache Handlung. Doch die Idee hinter dem Roman ist großartig. Vollkommen ohne Esoterik und ohne die Leser von etwas überzeugen zu wollen, wird eine außergewöhnliche Geschichte erzählt. Und es geht keineswegs nur um Noah und seine Erinnerungen, es geht auch darum, was mit ihm geschehen ist. Einen Kriminalfall und die Frage nach Reinkarnation auf diese Weise zu verknüpfen, ist etwas sehr besonderes.

 

Eine besonders wundervolle Note sind die Ausschnitte aus dem Buch "LIFE BEFORE LIFE" von Dr. jim B. Tucker mit seinen Berichten über Kinder, die sich auf erstaunliche Weise an frühere Leben erinnern. Diese machen den Roman nochmals lebendig und verleiehn ihm eine bedeutsame Note. 

 

Ich bin positiv überrascht worden und vollkommen überzeugt von diesem Roman.

Diese wunderschöne Geschichte verdient definitiv noch mehr Aufmerksamkeit.