Lesung zu "15 Tage" in Tutzing

Am Freitag den 23. Februar 2018 hat die gemütliche und herzliche Buchhandlung Held in Tutzing ihre Tore geöffnet und drei Autoren von ihrem großen Projekt berichten lassen - der Entstehung des Krimis 15 Tage.

 

Inhalt des Buches ist die Suche nach dem fast 16-jährigen Leo Förster aus Tutzing, der spurlos verschwunden ist. Seine Mutter ist verzweifelt, sein Freund David scheint etwas zu verschweigen. Die Polizistin Abby und der Hauptkommissar Georg scheinen in den Ermittlungen festzustecken, denn je weiter die Suche schreitet, umso rätselhafter wird das Verschwinden des Jungen.... Wie der Titel bereits verrät, wird es 15 Tage dauern, alle Rätsel um das Verschwinden von Leo aufzuklären....

 

Die Spannung mag hier noch nicht auf meine Leser überspringen, doch sobald man den Prolog mit dem verzweifelten Gang zur Polizeiwache durch die Mutter von Leo gelesen hat, möchte man wissen, wie es weiter geht. Für dieses Gefühl hat auch die Stimmung in der Buchhandlung Held gesorgt - Susanna Held dimmt das Licht, während die Zuhörer gespannt lauschen, wie die Autorin Rosemarie Benke-Bursian mit zitternder Stimme die Passagen der Mutter liest. 

 

Gleich darauf steigen auch die beiden jugendlichen Autoren Veronika Otto und Jonas Höbenreich ein und lesen gemeinsam vor, während jeder von ihnen eine andere Figur spricht. Gespannt sind die Zuhörer nicht zuletzt deswegen, weil es 4 Jahre gedauert hat, bis das Buch tatsächlich fertig war. Und geplant war doch alles ganz anders.... Begonnen hat es mit der Schreibwerkstatt, welche die erfahrene und sehr sympatische Autorin Rosemarie Benke-Bursian in Tutzing anbietet. In den Ferien können Jugendliche und Schulkinder dort mit der Autorin, die sich bereits bei den "mörderischen Schwestern" einen Namen gemacht hat, lernen, selbst Geschichten zu schreiben. Im Regelfall entsteht dabei ein kleines Büchlein mit einer Kurzgeschichte - doch nach drei Tagen hatten Rosemarie, Veronika, Jonas und die weiteren Jugendlichen gerade einmal die Handlung fertig.

 

 

Jeder große Besteller hat immerhin mit einer Idee angefangen - und dem Schöpfer anschließend eine Menge Arbeit bereitet. 

 

Vier Jahre setzten sich die Jugendlichen und Rosemarie anschließe d zusammen und begannen, zu schreiben. Sie erzählen während der Lesung offen von Diskussionen über Ausdrucksweisen oder die Notwendigkeit von Shakespeare Zitaten und vermitteln damit vor allem, dass Schreiben kein Zuckerschlecken ist. Hätten sie gewusst, welche Arbeit auf sie zukommt, hätten sie das Projekt wohl gar nicht begonnen. Doch Rosemarie konnte die Jugendlichen zusammen halten, die einen Großteil ihrer Freizeit opferten, um dem Krimi Leben einzuhauchen. Zunächst wurden die Kapitel abwechselnd geschrieben, um jedoch einen einheitlichen Stil zu behalten, hat Rosemarie die Kapitel grob vorgeschrieben, gemeinsam wurde ausgearbeitet - und umgeworfen. Während die Nachwuchsautoren älter wurden und sich entwickelten, entwickelten sich auch die Handlung und die Charaktere des Krimis. Nach all dieser langen und harten Arbeit, den gemeinsamen Stunden voller Austausch und Entwicklung haben sie es schließlich geschafft: "15 Tage" ist fertig und kann bald die Bücherregale der Leser zieren. Zerstritten hat man sich trotz Shakespeare auch nicht, das Trio ist stolz auf das Geleistete und präsentiert gemeinsam die ersten Kapitel des Großprojektes.

 

Und die ersten Kapitel überzeugen bereits und machen Lust auf mehr. Die Charaktere scheinen liebevoll ausgearbeitet zu sein und hauchen der Handlung sofort Leben ein. Die vier Jahre Arbeit scheinen sich gelohnt zu haben. Der Smart & Nett Verlag war jedenfalls  auch überzeugt und gab dem Trio eine Chance. Das interessant gestaltete Cover macht sofort neugierig und lädt dazu ein, den Krimi zu genießen. Handlungsort mag Tutzing sein, Frau Benke-Bursian stellt jedoch klar, dass es sich nicht um einen Regionalkrimi handelt, der Ort ist hier nicht entscheidend - immerhin spielt jede Handlung irgendwo. Die Ortskenntnis ist somit nicht entscheidend. 

 

Und wie geht es für die Autoren jetzt weiter?

 

Was bleibt, ist eine sehr interessante Erfahrung, ein zu Papier gewordenes Projekt und die übereinstimmende Meinung der drei Autoren, sich diesen Stress nicht noch einmal anzutun. Und dennoch sind sie stolz darauf, was sie geleistet haben. 

 

Die Leserschaft von Frau Benke-Bursian kann sich gewiss sein, dass von ihr noch mehr kommen wird. Immerhin hat sie sich bereits einen Namen gemacht und ist auch Mitglied bei den "mörderischen Schwestern", einem gemeinsamen Netzwerk von Autorinnen, die die Liebe zu deutschsprachigen Krimis fördern und verbreiten wollen. Informationen zu den weiteren Projekten rund um die einnehmend freundliche Autorin findet ihr hier.

 

Und die Jugendlichen? Neu entstehende Fans der beiden Jugendlichen werden enttäuscht, derzeit können sich weder Veronika noch Jonas vorstellen, noch ein Buch zu schreiben. Jonas Konzentration wird immerhin derzeit auch beim Abitur und der Vorbereitung auf das angestrebte benötigt - er möchte Informatik studieren und schiebt weitere Projekte in die ungewisse Zukunft. 

 

Bei Veronika, die freimütig preisgibt, dass der Deutschunterricht noch nie ein bevorzugtes Schulfach war, liegt eine Idee im Hinterkopf. Zunächst jedoch konzentriert sie sich auf ihre Ausbildung - als Zimmerin. Doch wer weiß, ob das Bedürfnis, sich kreativ zu entfalten, nicht doch schneller konkret wird, als es scheint? Vielleicht hört man in 4 Jahren wieder von ihr...

 

Jetzt werde ich mich erst einmal darauf konzentrieren, den Krimi zu lesen - was hoffentlich schon in 15 Tagen geschafft ist. 

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