Vatertage - Stephan Bartels

Simon Havlicek hat in seinem ganzen Leben noch kein Wort mit seinem Vater gewechselt - dieser hat sich nie für seinen Sohn interessiert und auch nie einen Pfennig Unterhalt gezahlt. Dann bekommt er einen Brief vom Sozialamt, dass für die Pflege seines Vaters einen monatlichen Betrag von 697,69 € fordert. Simon geht aufs Amt, um sich zu beschweren, doch dort beißt er sich die Zähne aus. Man bedaure es sehr, doch dies sei nicht verhandelbar. Man bedaure zudem, dass sich Simons Geschwister nicht beteiligen können. Und Simon denkt - welche Geschwister?

 

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen...

 

Was Stephan Bartels hier anspricht, ist ein noch immer aktuelles Thema. Die Pflicht, Unterhalt für die Heimunterbringung eines Vaters zu zahlen, der die Familie verlassen hat, ist rein menschlich absolut nicht haltbar - juristisch jedoch schon.

 

Der fiktive Sohn, Simon Havlicek bekommt die volle Bandbreite dieser juristischen Komponente zu spüren. Er selbst ist Vater zweiter Töchter und befindet sich in Elternzeit - 697,69 € hat er nicht übrig. Und überhaupt - warum beteiligen sich seine Geschwister nicht? Simon macht sich auf, um sich nicht nur besagten Vater/Erzeuger näher anzusehen sondern auch diese ominösen Geschwister. Und während sich Simon mit Ämtern, Verwandtschaft und Pflegeheimen herumschlägt, fasst seine Mutter einen Entschluss.

 

Jarmila Havlicek hat eine ganz einfache Lösung gefunden, um ihrem Sohn diese finanzielle Belastung zu ersparen - man kann doch seinen Erzeuger einfach umbringen. Und so kommt es, dass sich Simon zusätzlich noch damit beschäftigen muss, einen Mord zu verhindern. Dabei hat er doch gar keine Zeit dafür, er ist immerhin in Elternzeit und für die nächste Generation verantwortlich.

 

Stephan Bartels schreibt leicht und angenehm und lässt hier seine Charaktere vor allem auf eine Weise agieren - sehr humorvoll. Während Sterbehilfe, Pflegeheime und Familienzusammenführung für sich genommen alles andere als leichte Themen sind, gestaltet sich dieser Roman von einer anderen Seite. Denn wer sagt, dass Mordpläne gleich einen Krimi machen müssen? Simon Havliceks Leben wird beinahe stündlich komplizierter doch durch die amüsante Sicht- und Schreibweise entsteht hier ein toller Unterhaltungsroman. 

 

Dennoch ist Vatertage nicht nur komisch gehalten, denn in Abwechslung zu den Kapiteln die sich auf Simon konzentrieren, erleben wir auch die Vergangenheit seiner Muter und das, was zwischen ihr und Michael Petersen vor fast 40 Jahren vorgefallen ist. Denn die beiden haben sich zu einem mehr als ungünstigen Zeitpunkt kennengelernt - mitten im Prager Frühling. Dies schafft einen Kontrast zu den Geschehnissen in der Gegenwart und gibt gleichzeitig der Figur der Jarmila mehr Tiefe.

 

Rund um Simon herum hat Stephan Bartels einen bunten Kreis aus verschiedenen Figuren geschaffen, die dessen Handlungen beeinflussen. Insbesondere seine bezaubernde Ehefrau und seine über alles geliebten Kinder zeichnen ein Bild von  Simon als Person. Auch dessen bester Freund und die verschiedenen Angestellten des Pflegeheims verleihen der Geschichte sowohl Dynamik wie auch weitere komödiantische Komponenten.

 

Besonders die Gespräche mit Jarmilas Lebensgefährten, der Simon mit großgezogen haben, legen de Fokus noch auf ein weiteres Thema. Was macht Vaterschaft und Verwandtschaft eigentlich aus? Und hat man zu Blutverwandten stets eine besondere Beziehung? Muss man eine gewisse Anziehung zu einem Mann verspüren, der seinen Sohn nicht großgezogen hat?

 

Zur Handlung selbst möchte ich hier nicht zu viel schreiben, denn diese hat einige unvorhergesehene Wendungen. Was ich noch hervorheben möchte, ist der Charakter der Hauptfigur selbst. Mit einigen Marotten ausgestattet und einer glühenden Leidenschaft für Fußball zeigt Simon im Laufe seiner Gedanken und Handlungen schon bald, wie sympatisch er ist. Im Verlaufe des Buches wird deutlich, dass Jarmilas Sohn (mit oder ohne Vater) zu einem hilfsbereiten und freundlichen Mann geworden ist - und gerade das macht ihm einige Schwierigkeiten.

 

Dieser Roman ist ein Denkanstoß, um vielleicht eigenen familiäre Beziehungen zu überdenken und gleichzeitig ein kurzweiliges Lesevergnügen, das ich eindeutig weiterempfehlen kann. 

 

 

 

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