15 Tage - Rosemarie Benke-Bursian, Veronika Otto und Jonas Höbenreich

Der fast sechzehnjährige Leo Förster aus Tutzing ist verschwunden. Aus heiterem Himmel. Einfach weg. 

Was ist geschehen? Ist er weggelaufen? Ist ihm etwas zugestoßen? 

Sagt sein Freund David die Wahrheit oder verschweigt er etwas? Und wer ist diese geheimnisvolle Person, mit der Leo sich angeblich vor seinem Verschwinden getroffen hat? Gibt es sie überhaupt? 

Immer wieder stecken die Polizistin Abby und der Hauptkommissar Georg hoffnungslos fest. Je mehr sie über Leo erfahren, umso rätselhafter erscheint sein Verschwinden. 

Da meldet sich ein weiterer Zeuge …

Zwei Wochen spannungsgeladener Suche halten die Ermittler in Atem, bis schließlich an Tag 15 auch das letzte aller Rätsel gelöst ist.

 

 In diesem Roman wird der Alptraum einer Mutter wahr: Ihr Sohn verschwindet. Vollkommen aufgelöst wendet sie sich an die Polizei - und die beiden Ermittler stehen vor einem großen Rätsel.

 

Auf sehr realistische Weise kann  man als Leser die Polizeiarbeit verfolgen, während Abby und Georg versuchen, das Leben des vermissten Leo zu durchleuchten und eine (noch so kleine) Spur zu finden. Ist Leo weggelaufen? Versteckt er sich? War er in ein Verbrechen verwickelt - vielleicht sogar als Täter? Die Möglichkeiten sind endlos und die Zeit rennt ihnen davon. Denn wenn eines sicher ist, dann dass die Chancen, Leo gesund und wohlbehalten aufzufinden, von Tag zu Tag schwinden...

 

Was ich hier sehr hervorheben kann, ist wie lebensecht der Krimi gestaltet ist. Es kommen keine überzogenen Hollywood-Taktiken zum Einsatz, sondern ehrliche und echte Polizeiarbeit. Denn bevor man DNA von Freiwilligen sammelt und mit einer gigantischen Hundestaffel Wälder durchsucht, muss zunächst einmal geklärt werden, ob überhaupt ein Verbrechen vorliegt. Wer Realismus mag und gerne auf überzogene Kriminalisten, die scheinbar aus jedem Kleidungsstück im Zimmer des Vermissten eine einwandfreie Kausalkette basteln können, verzichtet, wird hier fündig. Stattdessen trifft man auf umfassende, ausgearbeitete Charaktere, die nicht nur mehrere Dimensionen sondern vor allem auch ein eigenes Leben mitbringen.

 

So muss sich Georg neben der Suche nach Leo auch mit der Suche nach einer Wohnung befassen - Streit mit der Ex kommt ebenfalls dazu Und während er über eine geheimnisvolle Person nachdenkt, mit der sich der Jugendliche vielleicht getroffen hat, quält ihn auch die Frage, mit wem sich besagte Verflossene wohl treffen mag?

 

Abby hingegen ist ein ganz anderer Charakter und mit ihrer halb bayerischen, halb amerikanischen Kinderstube absolut einzigartig. Ihr ausgeprägter Dialekt wird zu keinem Zeitpunkt vergessen und haucht den Befragungen dadurch gleich noch einmal eine besondere Note ein. Und während Abby ihre Cola auf amerikanische Weise trinkt (mit viel Eis) und damit Kellner in den Wahnsinn treibt, zeigt sie zudem, dass sie eine überaus engagierte und motivierte Polizistin ist. Marshmallow-Sucht hin oder her.

 

Der Krimi konzentriert sich nicht nur auf die Suche nach dem Vermissten, sondern eben auch auf die Leute, die suchen. Auch Abbys Kollegen sowie die verschiedensten möglichen Zeugen werden alle mit lebensechten Marotten ausgestattet und man hat fast das Gefühl, die Autoren hätten sich tatsächlich einige Tage in der Polizeistation eingenistet. Besonders sind hier auch die "Notizzettel" der Ermittler, die ihre Gedankengänge und die Ermittlungsarbeiten nochmals festhalten, um auch kein Detail zu verlieren. Auch hier absolut realistisch wiedergegeben. 

 

Und über allem bleibt die spannende Frage: Was ist mit Leo passiert?

 

Denn die Möglichkeiten sind endlos, zu viele Optionen, zu viele Gefahren birgt der Landkreis. Während Leos Mutter in eine Abwärtsspirale der Verzweiflung gerät, werden auch Abby und Georg immer frustrierter - für jedes gelöste Rätsel tauchen zwei weitere auf.

 

Und gerade diese Frage quält die Leser bis zum Schluss. Wer steckt hinter dem Verschwinden, was genau ist passiert? Das letzte Rätsel wird wirklich erst am Ende aufgelöst, nachdem man noch einmal zweifeln darf - auch an Leo. Denn hier handelt es sich nicht um ein perfektes Opfer - Leo ist ein Teenager mit vielen Facetten und ebenso vielen Geheimnissen, die es zu erforschen gilt.

 

Mein einziges Manko ist, dass sich die Handlung für meinen Geschmack tatsächlich teilweise etwas träge entwickelt hat - wie es im echten Leben eben so ist. Für eine Thriller-verwöhnte Leserin wie mich, nach die meist schon nach drei Kapiteln mit dem ersten blutigen Verbrechen "überrascht" wird, war das tatsächlich ein kleiner Störfaktor. Jedoch einer, über den man hinweg sehen kann - gerade wenn man mehr in diesem Genre liest.

 

Erwähnenswert ist noch, dass der Krimi in Tutzing und Umgebung spielt und daher diesen Landkreis stark mit einbezieht, es ist jedoch kein Heimatkrimi. Letztlich muss ja jede Handlung auch einen Handlungsort haben und hier wurden die Besonderheiten der Umgebung entsprechend mit eingearbeitet - bis hin zu Plätzen, an denen Jugendliche verschwinden können... Hoffen wir, dass 15 Tage Fiktion bleibt!

 

Gerade für Krimi-Fans kann ich 15 Tage definitiv empfehlen. Einige etwas langatmige Passagen werden hier mit (eher unterschwelligem und niemals übertriebenem) Humor und dem lockeren, fließenden Schreibstil wieder ausgeglichen. 

 

Wenn ihr noch etwas mehr über die drei Autoren und wie das Projekt zustande gekommen ist, erfahren möchtet, kann ich euch auf meinen entsprechenden Beitrag zur Lesung verweisen - HIER :)

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Katrin (Mittwoch, 04 Juli 2018 21:41)

    ich liebe deine Rezis - auch wenn ich nichts mit denn Genre anfangen kann, sehr interessant zu lesen!!

  • #2

    Rosemarie (Samstag, 07 Juli 2018 00:05)

    Ich bedanke mich ganz herzlich für diese ausführliche und sehr fundierte Rezension, die potentiellen Krimifans wohl einen guten Einblick gibt, ob das Buch für sie interessant wäre oder nicht.
    Wie du schon sagst, für Liebhaber von (blutigen) Thrillern und Aktionromanen taugt dieser Krimi wohl weniger. Wer aber gerne miträtselt, der Polizei beim Ermitteln über die Schulter schauen möchte und sich dabei über ein Stück Authentizität freut (hier fließen viele Kenntnisse über Polizeiarbeit, viel Recherche und einige wahre Ereignisse mit ein), ist bei diesem Krimi vielleicht nicht so verkehrt.