Blake - Jack Heath

Timothy Blake ist ein genialer Profiler und steht als inoffizieller FBI-Mitarbeiter auf keiner Gehaltsliste. Er hat nämlich ein geheimes Laster und wird nicht mit Geld entlohnt - sondern mit etwas, das seine dunklen Triebe befriedigt. Als Blake mit einer neuen Partnerin Special Agent Reese Thistle eine heikle Geldübergabe einfädelt, geht die Sache schief: In einem gestohlenen Wagen finden sie eine Schaufensterpuppe mit einer menschlichen Niere darin. Blake, der sein finsteres Geheimnis sorgsam hüten muss, gerät unter Verdacht...

 

Ein FBI-Mitarbeiter mit einem kriminellen Laster klingt zunächst nicht wie etwas wirklich Neues - doch ein solcher Thriller und ein Charakter wie Blake ist mir bisher noch nicht begegnet. Blake ist ein genialer Profiler, denn durch seine düstere Vergangenheit ist seine Beobachtungsgabe sehr geschärft worden und nur durch ebenjene Vergangenheit ist er überhaupt beim FBI gelandet. Eines Tages wird er von einem Polizisten dabei erwischt, wie er seinem "Laster" fröhnt und als eben jener Polizist, Peter Luzhin, der Leiter der Außenstelle des FBI in Houston wird, schließen die beiden einen Pakt. Blake stellt seine ermittlerischen Fähigkeiten dem FBI zur Verfügung und Luzhin beschafft ihm, was er will. Blake ist sehr aufmerksam und kann ausgezeichnet kombinieren - er ist jedoch kein Charakter, den man unbedingt mögen muss. Blake ist eine zutiefst verdorbene Person und für mich absolut kein Sympathieträger.

 

Wenn man einen Thriller über Charaktere mit einem "finsteren Geheimnis" schreibt, dann spielt sowohl die Frage, was es denn ist als auch, wie es umgesetzt wird, eine große Rolle in der Bewertung der Handlung. Zudem ist eben jenes Verlangen der größte Antrieb für Blake und steht hinter den Meisten seiner Entscheidungen. Als er mit der Ermittlung in einer Entführungssache beauftragt wird, steht es für ihn nicht im Vordergrund, was mit dem verschwundenen Jugendlichen passiert ist, es geht ihm lediglich um seine Belohnung. Im Verlauf der Handlung zeigt Blake, dass er durchaus auch Empathie empfinden kann und mit Reese Thistle entwickelt er eine Dynamik, die unabhängig von seinen Trieben steht - meistens zumindest. Dennoch ist es absolut entscheidend für diesen Thriller und ich werde hier noch einmal darauf eingehen.

 

Ganz spoiler-frei kann ich festhalten, dass mir die Handlung an sich sehr gefallen hat und auch einige der auftauchenden Nebencharaktere durchaus sehr interessant waren. Wie Thistle und Blake miteinander umgehen, hat dem Thriller etwas Leben gegeben und besonders die auftauchenden Figuren aus dem organisierten Verbrechen empfand ich als wirkliche Bereicherung - und genau dort liegt mein Problem. Charlie Warner, Kopf des organisierten Verbrechens, ist eine so interessante Figur, dass ich gerne einen Thriller nur über diese Figur und die zugehörige Organisation gelesen hätte - denn die Faszination über Blake lässt nach einiger Zeit stark nach. Der Thriller ist nicht schlecht und auf jeden Fall etwas anderes, da die typische Jagd, nach dem Psychopathen hier dadurch, dass die Hauptfigur eben selbst ein solcher ist,  anders ausfällt. Dennoch kam keine wirkliche Spannung auf - da für Blake die Rettung des Jungen nicht im Vordergrund steht sondern er lediglich seine Belohnung für eine Rettung haben möchte, fehlte mir hier etwas. Blake ist teilweise skrupellos und nur darauf fokussiert, das FBI zufrieden zu stellen. Dadurch wird auch dem Leser nicht viel gegeben, um tatsächlich Angst um das Opfer entwickeln zu können. Auch die Auflösung, wer denn hinter dem Verbrechen steht und wie Blake letztlich dieses Rätsel löst, haben mich nicht wirklich überzeugt. Der Thriller ist nicht langweilig, jedoch auch nicht sehr spannend und somit einfach nicht das, was ich erwartet habe.

 

Wer das nicht lesen möchte, kann sich damit begnügen: 3 von 5 Sternen. Wie gesagt - der Thriller ist nicht schlecht und ich mag, wie verschieden die auftauchenden Charaktere sind, jedoch konnte es mich nicht ganz überzeugen.

 

 

 

Aufgelöst, was er denn nun für ein Geheimnis hat, wird auf Seite 60 - daher werde ich dies im folgenden Text ab hier auch erwähnen. An dieser Stelle also eine ganz große und eindeutige Spoiler-Warnung! 

Wie bereits geschildert, ist Blakes Trieb einer der beherrschenden Faktoren des Romans. Blake ist ein Kannibale. Luzhin verschafft ihm als Belohnung für seine Dienste Leichen aus dem Todestrakt. Stellenweise sind die Beschreibungen, wie Blake seine Nahrung verzehrt, jedoch zu detailliert und ich habe diese stellenweise als absolut ekelerregend empfunden. Das sollte keine große Überraschung sein, bedenkt man, worum es in diesem Thriller geht, doch etwas weniger detaillierte Szenen hätten für mich hier absolut ausgereicht. 

Zudem unterscheidet sich Blakes Sichtweise stark von der, die ich bisher aus Kapiteln/Thrillern über Psychopathen kenne - er ist ja nicht auf der Suche nach Opfern, denn Luzhin versorgt ihn ja. Blakes Schilderungen sind weniger die eines Mörders, sondern mehr die eines Suchtkranken, der versucht, nicht die Kontrolle zu verlieren. An sich ein interessantes Konzept, jedoch wurde hier etwas Potential verschenkt.

 

Blakes ständige Schilderungen über seine Armut und seinen ausgezehrten Körper sind mir ebenfalls stellenweise etwas zu viel geworden, da der Fokus des Thrillers sich hier eben sehr weit von der Jagd nach einem Entführer und den dahinterstehenden Motiven entfertnt hat. An sich auch nicht prinzipiell schlecht, doch es entsprach nicht meinen Erwartungen. Ausweislich des Klappentextes habe ich eine Jagd auf Blake und sich erhärtende Verdachtsmomente erwartet und weniger Geschichten über seinen Hunger und die Frage, wie viele Teile des menschlichen Körpers tatsächlich verzehrt werden können.

 

All dies hat - wie bereits erwähnt - dazu beigetragen, dass mir die Spannung im Thriller etwas gefehlt hat, darum ist mein Gesamteindruck eher ernüchtert. "Blake" ist mit Sicherheit nicht schlecht, doch ich bevorzuge hier dann doch einen Dexter-Roman. 

 

 

 

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