Rheanne - Anne Troja

Ein Hafen voller zwielichtiger Gestalten. Ein prachtvolles Schiff, das in See sticht. Und an Bord ein Dämon mit Mordabsicht....

Eigentlich hat die Ritterin Rheanne einen einfachen Auftrag: Sie soll ins ferne Land Genzabar reisen und dem dortigen Herrscher ein Geschenk überreichen. Doch an Bord der "Adlerschwinge" ereignet sich auf hoher See ein mysteriöser Todesfall. Ein Matrose ist ermordet worden, am Tatort findet sich schwarzes Blut. Rheanne beginnt zu ermitteln und findet ausgerechnet in dem attraktiven, aber geheimnisvollen blinden Passagier Cormac einen Verbündeten. Weitere brutale Morde geschehen, und Rheanne selbst gerät ins Visier des Täters. Längst ist ihr klar, dass der Mörder kein Mensch ist...

 

"Rheanne - An Bord der Adlerschwinge" stellt sich als Auftakt einer großen, neuen Fantasyreihe dar. Und obwohl die Welt, in der dieser Roman spielt, mit verschiedenen Ländern und Sitten ausgearbeitet wurde, kann die Handlung nicht mithalten.

 

Rheanne selbst ist eine Protagonistin, die sich als Ritterin in einer Position beweisen muss, in der es Frauen nicht gerade einfach haben. Ein Einblick in ihre Kindheit und Ausbildung selbst vervollständigt dieses Bild - doch leider bleibt es bei einem kurzen Einblick. Etwas über die Ausbildung der stolzen Ritterin zu erfahren oder wie sie als stehlendes Waisenkind von ihrem Adoptivvater auf einen besseren Weg geführt wurde, wäre wohl interessanter gewesen als die Geschehnisse an Bord der Adlerschwinge. Rheanne selbst ist eine eher schwierige Person, die sich aus mehreren Gründen unbedingt beweisen muss, jedoch leider einen etwas farblosen Charakter darstellt. Sie ist teilweise sehr aufbrausend, jedoch auch weinerlich und trifft damit wirklich nicht meinen Geschmack. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich mehrfach sehr einfach übertölpeln oder schlicht in den meisten Kämpfen besiegen lässt, was ich von einer Dame, die derartig stolz auf ihr Rittertum ist, so nicht erwartet hätte.

 

Auch der attraktive Cormac kommt nicht viel besser weg, da man über seinen Charakter nicht viel erfährt. Seine Hintergrundgeschichte und was ihn an Bord geführt hat, wird aufgedeckt, viel mehr allerdings nicht. Cormac handelt, ohne dass man als Leser wirklich nachvollziehen kann, wie er fühlt und warum er seine Entscheidungen so trifft, wie er es tut. Dass es zwischen ihm und Rheanne von Beginn an "knistert", liegt hauptsächlich an seinen traumhaften Augen - zumindest werden diese in entsprechenden Momenten immer wieder erwähnt. Viel verführerisches an seinem Charakter konnte ich nicht finden, obwohl die Autorin ihm zumindest einen Sinn für Humor und  eine wichtige Rolle gegeben hat. Deswegen konnten mich leider auch die zwischen den beiden aufkommenden Gefühle nicht überzeugen - Anne Troja will hier zu schnell zu viel in die Beziehung der Charaktere hinein geben.

 

Auch die Zauberin Sedalé, die eine durchaus entscheidende Rolle in der Handlung spielt, konnte mich nicht überzeugen. Sie ist kaum mehr als das wandelnde Klischee der verführerischen Zauberin, die ihre Reize gezielt - und vor allem pausenlos - auszuspielen weiß. Cormacs Beteuerungen, dass sie eigentlich ganz anders ist, sind bei mir auf taube Ohren gestoßen. Hier ist für mich eine Menge Potential verschenkt worden, auch um eine glaubhafte Gegenspielerin oder auch Gefährtin für kommende Fortsetzungen zu schaffen. 

 

Die weiteren Charaktere an Bord sind zumeist nur mit einer einzigen hervorstechenden Charaktereigenschaft ausgestattet. Es mag sein, dass auf 316 Seiten hier nicht unbedingt Raum war, um mehrere Figuren tief auszuarbeiten, doch dies mildert den Spannungsbogen erheblich. Es geschehen Morde an Personen, zu denen der Leser keinen Bezug aufgebaut hat und ohne dass man wirklich um jemanden an Bord der Adlerschwinge besorgt wäre. 

 

Auch die Handlung konnte mich nicht ganz überzeugen, denn diese kam nur schleppend voran und konnte den Spannungsbogen nicht aufrecht erhalten. Grundsätzlich war ich sehr gespannt auf einen mordenden Dämon an Bord des Schiffes mit der geheimnisvollen Fracht, doch ganz überzeugen konnte man mich hier nicht. Die Handlung, die sich hier abspielt, wäre in einem anderen high-fantasy-Roman eher die Vorgeschichte bzw. würde die "richtige" Handlung aufbauen. Ich habe hier mehr erwartet. Es ist sicher Potential da, um die Geschichte in (längeren) weiteren Bänden fortführen zu können, für eine wirklich gute Bewertung reicht es mir aber nicht. 

 

Auch der Schreibstil hat mich nicht überzeugen können, dafür ist dieser nicht ausgereift genug. Anne Troja schreibt nicht schlecht, jedoch merkt man, dass sie noch keine erfahrene Schriftstellerin ist. Hierüber könnte ich sicher hinwegsehen, wenn die Handlung oder die Charaktere überzeugt hätten - Rheanne ist einfach nicht mein Fall.

 

Fazit: "Rheanne - An Bord der Adlerschwinge" hätte einiges an Potential, das meines Erachtens jedoch nicht ausgelebt wurde. 

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