Filmvergleich - "Jesus liebt mich"

 

David Safier hat einen überaus humorvollen Roman geschrieben, in dem Marie nach einem gigantischen Fiasko vor dem Traualtar einen Mann kennen lernt - dieser ist ausgerechnet Jesus höchstpersönlich und ist auf der Erde, um die Apokalypse vorzubereiten. Doch so einfach lässt Marie das nicht zu - man muss den Weltuntergang doch noch aufhalten können! Und so macht sie sich umgeben von skurrilen und dennoch sympatischen Charakteren daran, den Messias umzustimmen. Dies alles geschieht sehr zum Leidwesen des Teufels, dem die Apokalypse mehr als gelegen kommt.

 

Dass dieses Buch ein großer Erfolg wurde, ist sehr verständlich. Es ist witzig, hat eine verrückte Handlung und kann die Leser trotz des recht geringen Umfangs mit einer sehr gelungenen Geschichte fesseln.

 

Der Film dagegen ist eine andere Sache...

 

Leider muss ich feststellen, dass in der Verfilmung der zum Teil unterschwellige und gerade dadurch so gelungene Humor verloren gegangen ist. Stattdessen werden nur einige Witze übernommen, wie beispielsweise dass Marie Joshua zunächst für einen Terroristen hält. Auch die richtige Auseinandersetzung mit der plötzlichen Erkenntnis, dass es sich bei ihrem neuen Bekannten tatsächlich um Jesus handelt und was das bedeutet, wird ein wenig kurz gehalten. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass man das Buch für einen zweistündigen Film kürzen muss, hier hätte man allerdings eine andere Herangehensweise, die mehr vom Wesen des Buches übernimmt, wählen können. Gerade Maries innere Gespräche haben mich während des Lesens sehr oft schmunzeln lassen, die Texte im Film haben mich weniger amüsiert. 

 

Die Sexualisierung der Beziehung zwischen Marie und Joshua hat mich ebenfalls sehr gestört und passt meiner Meinung nach auch nicht ganz zu den Figuren.  Kann es in Filmen denn keine "unschuldigen"" Gefühle, welche ohne körperlichen Ausdruck ausgedrückt werden, mehr geben? Denkt man, dass die Zuschauer ohne gemeinsame Nacht keine Funken mehr zwischen den Charakteren wahrnehmen? Ich persönlich glaube daran, dass man Liebe auch in Medien anders ausdrücken kann - wenn man denn will.

Zum Thema der Charakterumsetzung ist anzumerken, dass Gabriel, Maries Eltern und die neue russische Freundin ihres Vaters gut übernommen wurden, mir hat jedoch Maries Schwester sehr gefehlt.

 

Kata hat mit ihren Comics und Gedanken über Gott und Gerechtigkeit nicht nur mehr Tiefsinnigkeit ins Buch gebracht, sie war auch für die Handlung im Buch essentiell. Ihr Packt mit dem Teufel, die "missglückte" Heilung durch Joshua und welche Emotionen Katas früheres und erneutes Leiden in ihrer Schwester auslösen, ist mehr als nur ein Teil der Rahmenhandlung. Für mich gehört Kata ebenso in die Geschichte wie der Teufel, Joshua und Marie. Dass man die Comicstrips schlecht übertragen kann, verstehe ich - doch für die Entscheidung, die gesamte Figur zu streichen, sehe ich keinen Grund. 

 

Auch der Beginn der Apokalypse, wie die Schlacht um die Welt letztlich aussah und vor allem das ENDE haben mich im Film gar nicht überzeugt. Nicht nur, weil diese Szenen an einer Verfilmung völlig vorbei gehen - die Änderungen waren für mich noch nicht einmal sinnvoll. Von mir aus kann man die Fußgängerzone streichen - doch die vier Reiter der Apokalypse, die nicht nur in der Bibel sondern bereits auch unzählige Male in Filmen als wichtiger Bestandteil vorhanden sind, wären auch hier nicht an der falschen Stelle gewesen.

Im Buch gepeinigt von den so menschlichen Schwächen, mit denen die Reiter ihn traktierten und dennoch über all dies triumphierend - das ist eine Schlacht, wie sie der Figur des Joshua entspricht. Hatten die Drehbuchautoren hier Zweifel an den Schauspielern? Oder dachte man, die Zuschauer würden einen Endkampf ohne Action wie sie bei Hollywoodfilmen vorkommt, nicht wollen? Hier einen Faustkampf als Sinnbild dieser Schlacht um die Menschheit einzubringen hat mir jedenfalls absolut keine Pluspunkte verursacht, vom weiteren merkwürdigen Ende des Films ganz abgesehen...

 

Wie bereits erwähnt, muss man Abstriche machen, wenn man Bücher "leinwandtauglich" macht. Wichtige Charaktere jedoch wegzulassen, den Tiefgang und Humor einer Geschichte zu verkürzen und letztlich ein gehetzt wirkendes Ende zu schaffen ist jedoch etwas anderes. Zudem bewerte ich hier nicht den Film an sich sondern den Film auf Basis des Buches - somit wurde ich absolut enttäuscht. 

 

Wer also das Buch bereits kennt und neugierig auf den Film ist - ich kann ihn absolut nicht empfehlen.

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Filmvergleich - "P.S. Ich liebe Dich"

Nachdem einige von euch gefragt haben, habe ich mir jetzt die Verfilmung von Cecilia Aherns P.S. Ich liebe Dich zu Gemüte geführt und muss sagen, dass ich von diesem Film als Umsetzung des Romans sehr enttäuscht wurde. Dass gewisse Teile gekürzt oder aus einem Film herausgehalten werden, weil man auf die Länge achtet, ist mir natürlich bewusst. Hier jedoch stört mich vor allem die komplette Veränderung von Begebenheiten aus dem Roman und der daraus resultierenden Verfremdung.

 

Wo war beispielsweise girls in the city? Diese Abschnitte waren im Buch eine solch humorvolle Komponente, dass die ledigliche Aufnahme einer Diskussion mit den Türstehern und der Prinzessin all dem nicht gerecht wird. Auch wie Holly zu den Briefen kam, ist für mich eine unnötige Änderung. Die Szene, in der sie vor der Box mit all diesen Briefen sitzt, war im Roman nicht nur sehr emotional sondern auch ein Moment, der nur ihr alleine gehört hat. Denn war das nicht das, was Gerry am Anfang beabsichtigt hat? Ein Moment der Freude in all ihrem Schmerz für seine geliebte Frau. Dass dies in eine Torte mit einem Tonband umgewandelt wurde, ist für mich nicht verständlich. Das Original erfüllt hier für mich einen wesentlich größeren Effekt und bereits hier kann ich den Gerry aus dem Film nur schwer mit Gerry aus dem Buch vereinen - der Unterschied, in welchem Moment die Briefe zu Holly finden, sagt einiges über den jeweiligen Ehemann aus.

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